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Kommentar : Ein reiches Erbe

Bad Homburg ist spät dran mit dem Vorstoß, Mitglied im Club der „Great Spas of Europe“ zu werden. Schon jetzt zählen mit Baden-Baden, Bad Kissingen und Wiesbaden drei deutsche Städte zum Kreis der Bewerber.

          Die Stadt ist spät dran. Erst jetzt will Bad Homburg Mitglied im illustren Club der „Great Spas of Europe“ werden. Ein Gutachten bescheinigt ihr, viele der geforderten Kriterien zu erfüllen. Doch die Aufnahme ist keineswegs sicher, bedeutet sie für die anderen doch zusätzliche Konkurrenz. Schon jetzt zählen mit Baden-Baden, Bad Kissingen und Wiesbaden drei deutsche Städte zum Kreis der Bewerber. Da wäre Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) gut beraten gewesen, sich früh mit seinem Wiesbadener Kollegen abzustimmen. Schließlich steht auch in dem Gutachten, die Nähe zum weiteren Kandidaten Wiesbaden könne für Bad Homburg ein Nachteil sein. Über die Erfolgsaussichten bei der Beurteilung durch die Unesco, die erst in einem zweiten Schritt folgen würde, besteht ohnehin völlige Ungewissheit.

          Bad Homburg ist also, was seine Rolle als Kurbad von Weltruf angeht, noch keineswegs auf dem direkten Weg zum Weltkulturerbe. Immerhin steht ein Teil ja heute schon auf der Unesco-Liste: Der Limes führt durch die Gemarkung, und in der Saalburg ist sogar das Zentrale Informationszentrum für den hessischen Abschnitt der römischen Grenzanlage untergebracht. Auch für den Limes hatten sich Bewerber aus mehreren Ländern erfolgreich zusammengetan. In diesem Fall war das verbindende Element der Grenzwall selbst. Die Entscheidung, welche Stadt sich in eine Reihe mit Spa, Vichy oder Karlsbad stellen darf, fällt deutlich schwerer.

          Unabhängig vom Erfolg hat aber schon die Bewerbung ihre Vorzüge. Sie öffnet den Blick für historische Gemeinsamkeiten mit Städten anderer Länder, die einst häufig dieselben wohlhabenden Gäste und Adligen begrüßten wie Homburg. Schon jetzt hat sie zudem Anstöße für eine weitere Erforschung der Kurgeschichte gegeben. Dabei ist den Homburgern die Vergangenheit durchaus bewusst. Das Jubiläumsjahr „100 Jahre Bad“ hat die Blütezeit mit Großfotografien sogar auf die Straßen der Innenstadt zurückgeholt. Und Kurdirektor Ralf Wolter ist es mit der Stiftung „Historischer Kurpark“ in drei Jahren gelungen, 1,2 Millionen Euro für die Wiederherstellung der Orangerie oder den Musikpavillon zu sammeln. Es klingt paradox: Der Welterbe-Status ist für Bad Homburg weniger wichtig als für andere Städte. Und das ist ein gutes Zeichen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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          Quelle: F.A.Z.

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