Die Zeit, da Offenbach als „Dorado der Sozialhilfeempfänger“ galt, ist längst vorbei. Nicht nur haben sich im Vergleich zu den späten achtziger Jahren die Sozialgesetze (Stichwort „Hartz IV“) geändert. Auch wird in Offenbach heute strenger als früher geprüft, wer und in welchem Umfang Anspruch auf staatliche Leistungen hat. Hinzu kommt, dass, wer erwerbsfähig, aber arbeitslos ist, etwas für seine Qualifizierung tun muss. Das Ziel ist klar: Vermittlung in den regulären Arbeitsmarkt.
Matthias Schulze-Böing, Leiter der Arbeitsförderung und des kommunalen Jobcenters „Mainarbeit“, verweist darauf, dass Offenbach im Städtevergleich mit einer sogenannten Integrationsquote von 28,2 Prozent in den ersten Arbeitmarkt oder in eine selbständige Tätigkeit einen der „vorderen Rangplätze“ einnimmt. Besser schnitten im vergangenen März nur Stuttgart, Nürnberg, München und Mannheim ab. Dass die Zahl der Offenbacher, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind, seit 2006 zurückgeht, belegt der jüngst für 2011 veröffentlichte Sozialbericht. Demnach bezogen 2006 fast 20.000 Offenbacher Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, im vorigen Jahr waren es zirka 18.000 Personen - ein Minus von 10 Prozent im Vergleich zu 2006.
Das nährt im Rathaus den Optimismus. Doch Schulze-Böing, über Offenbach hinaus als Fachmann anerkannt, mag von einer Trendwende noch nicht sprechen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass trotz des bemerkenswerten Rückgangs der Zahl der Hilfebezieher und Bedarfsgemeinschaften Offenbach noch immer die Stadt mit den meisten Leistungsempfängern in Hessen ist. Es sollte die Politik beunruhigen, dass mehr als 6200 Kinder, die meisten von ihnen jünger als 14 Jahre, in Familien leben, die arm sind und staatlicher Hilfe bedürfen.
Gleichwohl sind die Daten des Sozialberichts ein Lichtblick für die über viele Jahre nahezu erstarrte Sozialstruktur Offenbachs. Es zeigt sich, dass die Linie des Förderns und Forderns zum Erfolg führt, sofern man konsequent ist. Dem Image Offenbachs kann das nur guttun.