Das wurde auch Zeit. Fast hätte man denken können, die Duldsamkeit sei unbegrenzt. Doch nun haben die Leitungen der Frankfurter Gymnasien ihrer Verärgerung über die Zumutungen der Landespolitik Luft gemacht. Seit ihnen die G8-Reform auferlegt wurde, mühen sie und ihre Kollegien sich ab, die kürzere Gymnasialzeit so zu gestalten, dass sie den Schülern und deren Familien zuzumuten ist und trotzdem zur einer im Wortsinn allgemeinen Hochschulreife führt.
Tatsächlich ist es kein Ding der Unmöglichkeit, nach acht Jahren Abitur zu machen. Doch jenseits der Frage, ob alles, was möglich auch wünschenswert ist, hätten die Schulen darauf vorbereitet und entsprechend ausgestattet werden müssen. So mussten sie ihre Strukturen und Lehrpläne im laufenden Betrieb reformieren. Oft geschah das ohne die personellen und räumlichen Voraussetzungen für einen Ganztagsunterricht - und ohne den ist G8 wirklich unmöglich.
Viele Gymnasien haben in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt. Sie haben G8 zwar nicht lieben gelernt, aber sich doch darauf eingestellt. Und jetzt, eine Schülergeneration nach der Verkürzung und ein Jahr vor der Landtagswahl, heißt es, das war alles nicht so gemeint. Sicher, die Rückkehr zu G9 ist, anders als die G8-Reform, keine Pflicht. Aber die Unruhe an den Gymnasien ist enorm, viele Eltern fordern vehement mehr Zeit zum Lernen. Die Konsequenzen dieses Hin und Hers haben die Schulen und mit ihnen die Schüler zu tragen.
Immer wieder wurde argumentiert, dass in anderen europäischen Ländern insgesamt zwölf Jahre doch auch für die Hochschulreife reichten. Dabei hätte die Wiesbadener Kultuspolitik gar nicht so weit schauen müssen, ein Blick über den Rhein nach Mainz hätte gereicht. Auch in Rheinland-Pfalz wurde G8 eingeführt, allerdings nur an den Schulen, die sich freiwillig dafür entschieden und die über die nötigen Voraussetzungen verfügten. Ein solches bedachtes Vorgehen hätte dem hessischen Bildungswesen und einer ganzen Generation von Gymnasiasten vieles erspart.