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Kommentar Ein Anfang

16.07.2007 ·  Eine Bankierswitwe hat der Uni Frankfurt 33 Millionen Euro vererbt. Die Einsicht, dass die Förderung von Bildung zum Vornehmsten gehört, wofür ein Reicher Geld ausgeben kann, muss unter den Vielverdienern wieder selbstverständlich werden, wie Sascha Zoske meint.

Von Sascha Zoske
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Wer will, kann darin eine Fügung des Schicksals sehen: Die Bankierswitwe Gertrud Kassel, die der Frankfurter Universität 33 Millionen Euro hinterlassen hat, kam 1914 zur Welt. Just in jenem Jahr, in dem die Hochschule gegründet wurde – als Stiftungsuniversität. Gertrud Kassel starb in diesem Februar, und gerade jetzt ist Hessens größte Hochschule dabei, sich neu zu organisieren – wiederum als Stiftungsuniversität. Das Kapital der Kassel-Stiftung wird einen großen Teil ihres finanziellen Grundstocks bilden, das Land gibt noch einmal den gleichen Betrag hinzu. Ob Schicksal oder Glück, auf jeden Fall eine höchst erfreuliche Geschichte, die zu erzählen Uni-Präsident Steinberg nicht müde werden wird, wenn er in den nächsten Monaten um weitere Zustiftungen wirbt.

Es bedeutet indes keine Missachtung der honorigen Tat, sie mit anderen zu vergleichen und ihre Wirkung auf den universitären Alltag abzuschätzen. Gesetzt den Fall, das Frankfurter Stiftungskapital beliefe sich – weitere erhoffte Zuwendungen eingerechnet – auf 120 Millionen Euro, so ergäbe dies bei einem Ertrag von drei Prozent eine Summe von 3,6 Millionen Euro, die jährlich zusätzlich für Forschung und Lehre zur Verfügung stünde. Das ist etwas mehr als die Hälfte dessen, was ein durch die Exzellenzinitiative geförderter Forschungsverbund im gleichen Zeitraum erhält.

Von Verhältnissen wie in Harvard weit, weit entfernt

Auch der Blick auf das Mäzenatentum anderenorts relativiert die Dimension ein wenig. Die International University Bremen etwa darf sich über 200 Millionen Euro aus dem Vermögen des Kaffeerösters Klaus Jacobs freuen, dessen Namen sie nun trägt. Und von Verhältnissen wie in Harvard – Stiftungsvermögen 29 Milliarden Dollar – können Professoren an Main und Weser vorerst ohnehin nur träumen.

Nicht so sehr der (wenngleich immer noch beachtliche) materielle Nutzen ist es also, der die gute Gabe der Kassels so bedeutsam macht. Entscheidend ist die aufmunternde Wirkung, die sie hoffentlich auf andere vermögende Bürger ausüben wird. Wenn nun weitere Privatleute der Universität große Beträge vermachen, wenn, wie von der Oberbürgermeisterin angedeutet, auch die Stadt einen ordentlichen Obolus beisteuert, dann ist Rudolf Steinbergs Rede vom Anknüpfen an die große Frankfurter Stiftertradition bald nicht mehr Beschwörung des Wünschenswerten, sondern Tatsachenbeschreibung. Die Einsicht, dass die Förderung von Bildung und Wissenschaft zum Vornehmsten gehört, wofür ein reicher Mensch Geld ausgeben kann, muss unter den Vielverdienern der Stadt wieder selbstverständlich werden. Ein Anfang dazu ist gemacht.

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Jahrgang 1969, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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