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Kommentar : Eigentum verpflichtet

Das unter Denkmalschutz stehende Mainzer Rathaus abzureißen verbietet sich. Es herzurichten und künftig auch in Schuss zu halten ist sicher keine billige, aber gleichwohl die beste Lösung.

          Über Geschmack lässt sich streiten. Nicht aber darüber, dass das seit der Eröffnung am 31. Dezember 1973 immer wieder für Architektur-Debatten sorgende Mainzer Rathaus dringend saniert werden muss. Denn viel zu lange ist die vom dänischen Baumeister Arne Jacobsen am Rheinufer geschaffene Trutzburg von seinem Besitzer, der Stadt, vernachlässigt worden. Wer heutzutage immer noch eine Heizungs- und Kühlungsanlage aus den frühen siebziger Jahren betreibt - aus einer Zeit also, in der Energie günstig war -, dem wachsen die Kosten zwangsläufig über den Kopf.

          Selbst wenn es nicht viel bringt, im Nachhinein Schuldige zu suchen, sollte jene CDU, die sich nun am lautesten gegen die überfällige Modernisierung wehrt, nicht vergessen, dass sie gemeinsam mit der FDP jahrelang die Geschicke der Stadt bestimmt hat; und unter anderen ihr Baudezernent, Norbert Schüler, damals andere Prioritäten setzte.

          Die beste Lösung

          So ist das bei den Bürgern von Anfang an als „Beamtengefängnis“ verspottete Gitter-Gebäude längst das beste Beispiel dafür, dass sich eine hochverschuldete Kommune auch „kaputtsparen“ kann, wie es Finanzdezernent Günter Beck (Die Grünen) gestern ausdrückte. Seiner Auffassung nach lässt sich dank des von Rheinland-Pfalz gewährten Landeshauptstadt-Zuschusses, wie schon bei früheren Großprojekten, abermals ein Grundstock bilden, um das marode Bauwerk mit Hilfe der aktuell zudem äußerst günstigen Kommunalkredite wieder in Schuss zu bringen. Wenn es stimmt, dass sich so fortan jährlich eine halbe Million Euro allein an Betriebs- und Heizkosten einsparen lässt, könnte die Rechnung am Ende tatsächlich aufgehen.

          Weil niemand der Stadt ein neues Rathaus schenken wird, spricht alles dafür, im alten zu bleiben. Auch wenn es nicht aus rotem Sandstein ist, wie die in ihren Dom, in das Schloss und die Altstadt vernarrten Mainzer es am liebsten mögen. Selbstbewusst hat Jacobsen mit seiner kühlen Architektur vor mehr als vier Jahrzehnten einen Kontrapunkt gesetzt. Und zumindest in der Fachwelt genießt das vom Keller über das Dach bis zum Interieur durchgestaltete Gebäude bis heute große Anerkennung. Das seit 2006 noch dazu unter Denkmalschutz stehende Rathaus abzureißen verbietet sich schon deshalb von selbst. Es herzurichten und künftig auch in Schuss zu halten ist sicher keine billige, aber gleichwohl die beste Lösung.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

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          Quelle: F.A.Z.

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