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Kommentar Durchbruch im Westen

31.07.2007 ·  Die Vivico, eine ehemalige Tochter der Bahn, baut neben dem UEC einen 185-Meter-Turm. Dadurch wird die Entwicklung des Europaviertels einen gewaltigen Schub erhalten. Von Matthias Alexander.

Von Matthias Alexander
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Die Frankfurter Immobilienbranche kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Vivico, eine ehemalige Tochter der Bahn, deren hiesige Bauprojekte sich immer wieder als Luftschlösser erwiesen, entwickelt sich zum heimlichen Champion der Szene. Vor einigen Wochen erst kam die Meldung, dass das längst totgesagte Urban Entertainment Center (UEC) auf dem Areal des früheren Hauptgüterbahnhofs nun doch gebaut werden kann. Der Projektpartner ECE, der das Einkaufszentrum betreiben wird, hat gegenüber der Stadt eingelenkt und begnügt sich mit der ursprünglich vorgesehenen Ladenfläche.

Und jetzt folgt die Nachricht, dass direkt neben dem UEC ein 185-Meter-Turm gebaut wird. Das Areal der früheren Eisenbahndirektion, deren Gebäude gerade erst abgerissen worden sind, galt den meisten Experten als Reservefläche für künftige Generationen. Wenn im derzeitigen Boom ein neues Hochhaus gebaut werde, dann im Bankenviertel, war die herrschende Meinung. Doch offenbar in aller Stille hat die Vivico die Verhandlungen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers geführt und zum Abschluss gebracht. Der Mietvertrag ist unterschrieben, mit 65.000 Quadratmetern birgt er ein gewaltiges Volumen.

Suche nach Neuzugängen

Nicht nur für die Vivico, die bald privatisiert werden soll, bedeutet der Abschluss einen Durchbruch. Auch die Entwicklung des Europaviertels wird einen gewaltigen Schub erhalten. Die Flächen entlang der Europaallee, von denen einige schon vermarktet wurden, werden sich nun zügig füllen. Nach fast zehn Jahren nimmt das Neubaugebiet im Westen der Stadt endlich konkrete Formen an.

Es ist anzunehmen, dass sich auch die Planungspolitiker im Römer als Väter dieses Erfolgs betrachten werden, und es sei ihnen gegönnt. Bei einer solchen Gelegenheit wird auch die Behauptung zu hören sein, am Beispiel des neuen Hochhauses zeige sich wieder einmal die wirtschaftliche Dynamik der Wirtschaftsmetropole Frankfurt. Das ist ebenfalls richtig, aber mit einer wichtigen Einschränkung: Der Ankermieter PwC verlagert lediglich seine Frankfurter Niederlassung, um im brancheninternen Wettbewerb um die besten Köpfe mit einem attraktiven Haus in zentraler Lage punkten zu können. Es handelt sich also nicht um eine Neuansiedlung, und das ist symptomatisch für die meisten großen Vermietungen der vergangenen Jahre. Als Beispiele seien nur UBS, KPMG und Freshfields genannt.

Die Zahl der in Frankfurt ansässigen Unternehmen, die sich ein Hochhaus leisten können und wollen, ist endlich. Diejenigen Investoren, die mit Turmprojekten an anderen Stellen der Stadt in den Startlöchern stehen, werden den Erfolg der Vivico daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgen. Er zeugt einerseits von der anhaltenden Attraktivität der Gebäudeklasse, andererseits verknappt er die Nachfrage. Es wäre daher schön, wenn die hiesige Unternehmenslandschaft mal wieder einen spektakulären Neuzugang vermelden könnte. Der Auftrag, dafür zu sorgen, geht an die Politik.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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