In Hessen sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) fast 70.000 Menschen im Alter von mehr als 50 Jahren als erwerbslos gemeldet. Angesichts dieser Zahl ist das gemeinsame Arbeitsbeschaffungsprogramm des Landes und der Bundesagentur für diese Generation tatsächlich bestenfalls ein „Tropfen auf den heißen Stein“, wie Teile der Opposition in Wiesbaden monieren. Trotzdem: Das von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise vorgestellte Modellprojekt befaßt sich mit einem Thema, das auch in anderen Ländern noch auf die Tagesordnung kommen könnte.
Erstens soll das Programm bis zu 1000 älteren Arbeitslosen die Chance bieten, für ein geringfügig über dem Arbeitslosengeld liegendes Entgelt praktische Erfahrungen bei einer Tätigkeit im Landesdienst zu sammeln und sich so für eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Zweitens soll sich dem Land die Möglichkeit eröffnen, mit Hilfe der Teilnehmer an dem Programm wichtige, aber bisher nicht zu finanzierende Aufgaben, beispielsweise bei der Betreuung von Senioren und Zuwanderern, bei der Energieberatung oder der Motivation von Hauptschülern, zu erfüllen. Drittens, und das ist nicht zu unterschätzen, soll das hessische Programm ein Signal an all jene Unternehmer senden, die ältere Arbeitslose für grundsätzlich nicht mehr konkurrenzfähig halten: Schaut her, wir können es noch, und das Land Hessen bietet uns die Gelegenheit, es zu beweisen.
Chance auf einer Rückkehr ins Erwerbsleben
Der Ministerpräsident hat recht, wenn er darauf verweist, daß es ein Irrglauben der CDU-geführten Bundesregierung in den achtziger und neunziger Jahren gewesen sei, ökonomische und gesellschaftliche Probleme ließen sich dadurch lösen, daß man möglichst viele Arbeitnehmer möglichst frühzeitig in Rente schicke. Glücklich sind darob weder der Staat noch eine Mehrzahl der Frührentner geworden. Das Programm „Erfahrung hat Zukunft“ setzt gezielt bei jenen älteren Arbeitslosen an, die maximal eineinhalb Jahre ohne Job sind und daher noch gewisse Aussichten auf eine Rückkehr ins Erwerbsleben haben.
Koch und Weise haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 70 Prozent der Teilnehmer des Modellprojekts sollen am Ende auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden; alles andere wäre aus ihrer Sicht ein Fehlschlag. Doch wird nicht nur die Erfolgsquote Aufschluß über die Sinnhaftigkeit eines solchen Vorhabens geben. So mancher bei der Bundesagentur für Arbeit zweifelt nämlich, ob sich überhaupt 1000 interessierte und ausreichend motivierte Arbeitslose für das Programm finden werden.