09.10.2006 · Integration ist ein schwieriges Feld. Die Dietzenbacher Koalitionsfraktionen CDU und „Bürger für Dietzenbach“/FWG haben dies gerade erfahren.
Von Eberhard SchwarzIntegration ist ein schwieriges Feld. Die Dietzenbacher Koalitionsfraktionen CDU und „Bürger für Dietzenbach“/FWG haben dies gerade erfahren. Daß Kinder unterschiedlicher Nationalitäten in den Tagesstätten deutsch miteinander reden sollen, wie von beiden Fraktionen gefordert, erscheint überaus sinnvoll - gerade in Dietzenbach, wo der Ausländeranteil bei 27 Prozent liegt. In manchen Kindertagesstätten stammen drei von vier Knirpsen aus mehr oder weniger fernen Ländern oder haben ausländische Eltern.
Doch der CDU/FWG-Antrag, so vernünftig er auch ist, berücksichtigt nicht ganz die Realität. Wenn ein türkisches Kind mit einem kleinen Marokkaner spielt und etwa zur Rutschbahn gehen will, wird es dies in aller Regel mit einigen deutschen Worten vorschlagen. Glaubt man dem Dietzenbacher Ersten Stadtrat Werner Hoch (SPD), dient die deutsche Sprache schon längst als „lingua franca“ in den Kitas, ohne daß es eines besonderen Antrags bedurft hätte. Und wenn sich drei kleine Italiener tatsächlich einmal in ihrer Heimatsprache unterhalten, wird der Beschluß des Stadtparlaments daran nichts ändern: Nicht in jedem Sandkasten sitzt ständig eine Erzieherin dabei, um penibel darauf zu achten, daß kein Fremdwort gesprochen wird. Einen Antrag, der auf die Praxis kaum Auswirkungen hat, darf man als überflüssig bezeichnen - vielleicht auch als politisches Sandkastenspiel.
Sprachförderung in den Kitas
Wer Wert darauf legt, daß sich die Kinder auf deutsch unterhalten, muß die Voraussetzungen dafür schaffen. Es gilt, die frühkindliche Sprachförderung zu verbessern, die ausländischen Eltern stärker einzubeziehen und auch ihnen mehr Angebote zu machen, eine für den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland unentbehrliche Fertigkeit zu erlernen: die Verständigung auf deutsch. Das setzt andererseits die Bereitschaft voraus, die Sprache auch erlernen zu wollen und die entsprechenden Angebote zu nutzen. CDU und FWG in Dietzenbach stehen aber gleichermaßen in der Pflicht: Man wird sehen, wie engagiert sich beide Fraktionen künftig ins Zeug legen, wenn es darum geht, das für Sprachförderung in den Kitas benötigte Geld zu bewilligen.
Die abwehrenden Reaktionen auf den Vorschlag, die deutsche Flagge und das Bild des Bundespräsidenten in den Tagesstätten aufzuhängen, muten völlig überzogen an. Flagge und Bundespräsident stehen für einen Staat, der sich, was Bürgerrechte, Bürgerfreiheiten und Toleranz gegenüber Minderheiten betrifft, vor niemandem zu verstecken braucht. Die im Grundgesetz formulierten Werte weiterzugeben - damit kann man gar nicht früh genug anfangen.
Eberhard Schwarz Jahrgang 1954, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.
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