03.11.2008 · Ohne Logistik wäre Frankfurt ein Dorf geblieben, das Rhein-Main-Gebiet eine Kuhweide. Das Projekt „Haus der Mobilität“ kommt gerade zur rechten Zeit. Es soll dazu beitragen, dass das Rhein-Main-Gebiet sich gezielt auf dem Feld weiterentwickelt, auf dem es ohnehin schon stark ist.
Von Hans RiebsamenPacken, Transportieren, Lagern - wie langweilig. Aber ohne Logistik, wie das koordinierte Verpacken, Transportieren und Lagern von Gütern in der Wirtschaftssprache neuerdings heißt, wäre Frankfurt ein Dorf geblieben, das Rhein-Main-Gebiet eine Kuhweide. Die verkehrsgünstige Lage hat Frankfurt zu einer reichen Stadt gemacht und Rhein-Main zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen der Welt. Viele Wege haben schon im Mittelalter nach Frankfurt geführt, heute kreuzen sich hier die Luft-, Schienen-, Autobahn- und Wasserverbindungen.
Davon leben Frankfurt und sein Umland mindestens ebenso sehr wie von den Banken. Die Logistik- und Mobilitätsbranche ist mit 141 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region, größer als die Finanzbranche. Und die steckt auch noch in einer tiefen Krise. In einer solchen Situation ist es geboten, sich alter Stärken als Verkehrsdrehscheibe zu erinnern. Das Projekt "Haus der Mobilität" kommt gerade zur rechten Zeit. Es soll dazu beitragen, dass das Rhein-Main-Gebiet sich gezielt auf dem Feld weiterentwickelt, auf dem es ohnehin schon stark ist: in der Logistik und der Mobilität.
Frankfurt ist zu sehr von der Finanzwirtschaft abhängig, mehr als die Hälfte ihrer Gewerbesteuer-Einnahmen fließen der Stadt aus dieser Branche zu. Wegen der Verwerfungen in der Finanzwelt müssen Stadt und Umland mit sinkenden Einnahmen rechnen. Frankfurts Kämmerer rechnet bei seiner Gewerbesteuer-Prognose mit einem Rückgang von 1,6 auf 1,3 Milliarden im nächsten Jahr. Mancher sagt, dass er da immer noch zu optimistisch ist.
Jedenfalls sollten beim "Holm", dem "House of Logistic and Mobility" - muss es immer ein englischer Name sein? -, Nägel mit Köpfen gemacht werden. Sobald feststeht, wer Hessen künftig regiert, muss die endgültige politische Entscheidung fallen. Und dann muss zügig ein Finanz- und Wirtschaftsplan her, müssen Partner aus der Wirtschaft gewonnen werden. Andere Städte und Regionen schlafen nicht. Nur wer als Erster in Europa ein solches Kompetenzzentrum aufbaut, wird Erfolg haben.