24.07.2008 · Die Verhandlungen zwischen dem Land und einem von der Stadt Frankfurt beauftragten Konsortium um den Verkauf des Campus Bockenheim ziehen sich hin. Die Verzögerung schadet beiden Seiten. Nun ist Tempo gefragt.
Von Rainer SchulzeMitten in Bockenheim liegt eine der attraktivsten Flächen für die Frankfurter Stadtentwicklung. Wenn die Universität das Gelände wie geplant bis 2014 verlassen hat, kann hier ein neuer Stadtteil wachsen, der geradezu perfekt an die Innenstadt angeschlossen ist – ein Projekt für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre. Es ist sicher ratsam, bei der Neuordnung eines so wichtigen Quartiers Gründlichkeit walten zu lassen. Seit Monaten aber stocken die Verhandlungen zwischen dem Land und dem Konsortium aus ABG und OFB, die im Auftrag der Stadt Frankfurt die Fläche erwerben und entwickeln sollen. Und seit wohl ebenso langer Zeit begründet das Finanzministerium die Verzögerung mit der immer gleichen Antwort: Es hänge an „Detailfragen“. Die Zeit wird langsam lang.
Mehrheitsverhältnisse im Landtag blockieren den Verkauf
Zwar fließt in sechs Jahren, bis die Universität vollständig ihr neues Domizil im Westend bezogen hat, noch viel Wasser den Main hinunter. Doch eine Verzögerung des Verkaufs kann eigentlich nicht im Sinne der beiden Beteiligten sein. Das Land muss die Verlagerung der Universität finanzieren und hat für die Umzugskosten den Erlös aus dem Verkauf des Campus Bockenheim einkalkuliert. Und auf der anderen Seite muss ABG und OFB auch mit Sorge erfüllen, dass sich die Stimmung auf dem Immobilienmarkt eintrübt und damit die Aussicht auf hohe Gewinne schwindet. Der Weiterverkauf von einzelnen Grundstücken an Investoren könnte sich schwieriger gestalten als gedacht.
Das Ergebnis der Landtagswahl hat die Verhandlungen sicher nicht einfacher gemacht. Den Eindruck, dass eine nur geschäftsführend agierende Landesregierung nicht mit dem nötigen Rückhalt und der sonst üblichen Entscheidungskraft verhandeln kann, versucht das Finanzministerium zwar zu zerstreuen. Dennoch drängt sich der Eindruck auf, dass die neuen Mehrheitsverhältnisse im Landtag den Verkauf blockieren. Dabei kann dieses Grundstücksgeschäft nur beiden Seiten nützen. Das Land braucht das Geld. Und die Stadt hat exklusiv ein Areal an der Angel, das seine 200 Millionen Euro wert sein dürfte. Eine Ausschreibung ist nicht vorgesehen. Private Bieter kommen bei diesem Deal nicht zum Zug.
Es ist zu hoffen, dass der OFB-Geschäftsführer Gerhard Grandke etwas Tempo machen kann. Der sozialdemokratische frühere Oberbürgermeister von Offenbach wird sein Ansehen nutzen können, um die Genossen im Landtag für das Projekt zu gewinnen. Dann können die lästigen „Detailfragen“ hoffentlich endlich gelöst werden.