31.05.2007 · Sie will aufhören. Überraschend ist ihre Ankündigung jedoch nicht. Niemand hatte damit gerechnet, dass Elisabeth Schweeger auch über das Jahr 2009 hinaus Intendantin des Frankfurter Schauspiels bleiben würde.
Von Michael HierholzerSie will aufhören. Überraschend ist ihre Ankündigung jedoch nicht. Niemand hatte damit gerechnet, dass Elisabeth Schweeger auch über das Jahr 2009 hinaus Intendantin des Frankfurter Schauspiels bleiben würde. Eine abermalige Verlängerung ihres Vertrags stand nicht zur Debatte.
Dass sie nun von sich aus definitiv mitteilte, die Leitung des Sprechtheaters mit dem Ende der Saison 2008/2009 aufgeben zu wollen, ehrt sie dennoch. So nämlich schafft sie Klarheit, vermeidet den Eindruck, an einem Sessel zu kleben, den die politisch Verantwortlichen ihr ohnehin zu entreißen beabsichtigen, und verhindert unwürdige Diskussionen vor und hinter den Kulissen über ihre Fähigkeiten, Eigenschaften, Leistungen. Davon hat es zu Beginn ihrer Intendanz viel zu viele gegeben.
Nun ist der Kulturdezernent am Zug
Die Stadt hat es ihr nicht leichtgemacht. Sie es der Stadt freilich auch nicht. Nach sechs Jahren allerdings müssen selbst schärfere Kritiker zugeben, dass sie in der Stadtgesellschaft angekommen ist, neue Publikumsschichten erschlossen hat und nicht nur mit einer Vielzahl von Produktionen, sondern auch mit etlichen anderen Veranstaltungen von den „Frankfurter Dialogen“ bis zur „Haifischbar“ das kulturelle Leben bereichert.
Mit dem Goethe-Projekt, das zum Geburtstag des Dichters rund um den 28. August geplant ist, rückt sie noch einmal näher an die Stadt heran, zu der sie anfangs Distanz wahrte und deren verborgene Werte sie erst im Lauf der Zeit zu schätzen lernte. Mit den intellektuellen Traditionen Frankfurts, die im vorigen Jahrhundert ihr Zentrum in der Kritischen Theorie hatten, sympathisierte sie ohnehin immer schon.
Dem Kulturdezernenten müsste dies von seinem geistigen Zuschnitt her alles zusagen. Trotzdem wird er die Intendantin nicht bitten, auf ihrem Posten zu bleiben. Er ist Politiker genug, um eine Gestaltungsmöglichkeit zu ergreifen, wie sie sich während seiner Amtszeit nur noch äußerst selten bieten dürfte – die Leitungsstellen in den Museen etwa sind allesamt auf Jahre hinaus besetzt. Der Stadtrat hat daher sogleich keine Zweifel daran gelassen, dass die Entscheidung über den künftigen Schauspiel-Intendanten eine kulturpolitische ist und somit allein in sein Ressort fällt. Obwohl der Kulturdezernent nicht Aufsichtsratsvorsitzender der Bühnen GmbH ist, bietet sich ihm nun die Chance, die Sprechtheater-Verhältnisse nach seinen Vorstellungen zu regeln. Ein schwieriges Unterfangen, wie die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen. Semmelroths Vorgänger Hans-Bernhard Nordhoff jedenfalls machte bei der Intendantensuche, die schließlich zu Schweeger führte, keine besonders gute Figur.