31.07.2010 · Das Ergebnis des Aufrufs, mit dem die Dom-Römer-Gesellschaft ausloten wollte, ob die Bürger sich finanziell für die Altstadt engagieren, ist nah am Kompromiss: Für rund die Hälfte der Altstadt-Parzellen finden sich Investoren, die Rekonstruktionen finanzieren wollen. Doch die verbindliche Zusage steht noch aus.
Von Rainer Schulze„Vielleicht ziehe ich selbst dorthin.“ Michael Guntersdorf ist sich sicher, dass zwischen Dom und Römer ein Quartier entsteht, in dem es sich zu leben lohnt. Der Optimismus ehrt den Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft. 122 private Investoren teilen ihn.
Das Ergebnis des Aufrufs, mit dem die Dom-Römer-Gesellschaft ausloten wollte, ob die Bürger sich finanziell für die Altstadt engagieren, ist nah am Kompromiss: Für rund die Hälfte der Altstadt-Parzellen finden sich Investoren, die Rekonstruktionen finanzieren wollen. Doch die verbindliche Zusage steht noch aus. Erst im Herbst, wenn die Vorverträge geschlossen werden, zeigt sich, wie haltbar die Bekundungen sind.
Es dürften eher weniger Rekonstruktionen werden
Es dürften eher weniger Rekonstruktionen werden. Denn wenn es zum Schwur kommt, schauen auch die Altstadtfreunde lieber zweimal ins Portemonnaie. Der Quadratmeterpreis für einen originalgetreuen Wiederaufbau eines Gebäudes an seinem historischen Standort beträgt immerhin etwa stolze 5000 Euro – das sind rund 2000 Euro mehr als ein Neubau kostet.
Auf den zweiten Blick spricht das Ergebnis für sich. 80 Privatleute, die dem Bürgeraufruf gefolgt sind, möchten Neubauten erwerben, nur 25 Rekonstruktionen. Die Mehrheit schaut lieber auf heimelige Fachwerkfassaden, statt selbst dahinter zu wohnen. Eins steht fest: Die Träume von einer flächendeckenden Rekonstruktion sämtlicher Fachwerkhäuser auf dem Dom-Römer-Areal, wie sie in den Köpfen der Altstadtfreunde stecken, sind an der Wirklichkeit zerplatzt.
Signal der Versöhnung
Nun liegt es in den Händen der Architekten, ob jene subtile Mischung von Rekonstruktionen und Neubauten gelingt, die sich viele Frankfurter für ihre Altstadt erhoffen. Eine Gestaltungssatzung soll dafür bürgen, dass rekonstruierte Fachwerkhäuser und Neubauten als Ensemble wirken. Sie macht klare Vorgaben etwa hinsichtlich Dachneigung, Fassadenmaterialien und Fensterformen.
Für die nötige Qualität der Neubauten müssen die Architekten allerdings schon selbst sorgen. Sie haben die Chance, das Vertrauen der Bürger zurückzuzahlen. Dass an dem Wettbewerb für die Neubauten auch für eine zeitgenössische Formensprache bekannte Architekten wie Bernhard Franken teilnehmen sollen, ist ein Signal der Versöhnung. Für die Altstadt bricht die entscheidende Phase an. Die Architekten brauchen eine Sternstunde, um die anspruchsvolle Aufgabe lösen.