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Kommentar : Die Statistik hilft nicht

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In unsicheren Zeiten greift man nach allem, was Halt verspricht. So hat die hessische CDU seit längerem ihr Herz für die Statistik entdeckt. Die täte aber besser daran, sich programmatisch klarer zu konturieren.

          In unsicheren Zeiten greift man nach allem, was Halt verspricht. So hat die hessische CDU seit längerem ihr Herz für die Statistik entdeckt. Man nennt das Autosuggestion: Indem die CDU darauf verweist, bei den meisten Landtagswahlen besser abgeschnitten zu haben als bei der vorangegangenen Bundestagswahl, glaubt sie an eine gute Zukunft. Dabei ist es in Wirklichkeit nicht anders als bei der Lottostatistik. Hier kam im abgelaufenen Jahr die 49 auf die meisten Treffer. Aber bedeutet das auch, dass im Jahr 2013 dieselbe Kugel überproportional oft in das vom „Ziehungsbeamten“ überprüfte „Ziehungsgerät“ klackert? Eben.

          Hieße man Volker Bouffier, wäre man wahrscheinlich ziemlich nervös. Derzeit wirklicher als die Hoffnung auf die Dauerhaftigkeit von Wahlstatistiken ist nämlich die vorerst letzte bekanntgewordene demoskopische Untersuchung. Wäre heute Wahltag, gäbe es demnach im Hessenland eine linke Mehrheit, ausdrücklich unter Einbeziehung der Partei Die Linke. Mit ihr würde der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel koalieren oder sein Kabinett von ihr dulden lassen. Außerdem ist den Sozialdemokraten nach langer Durststrecke der Rücken durch die Wahl ihres Genossen Peter Feldmann zum Frankfurter Oberbürgermeister gestärkt. Man verkenne nicht, welche autosuggestiven Kräfte ein solcher Sieg freisetzt.

          Statt aus der Statistik den Nektar der Beruhigung zu saugen, täten die hessischen Regierungsparteien CDU und FDP besser daran, sich programmatisch klarer zu konturieren. Für den politisch eher oberflächlich interessierten Bürger ist nicht deutlich genug zu erkennen, wofür diese Regierung steht, was sie erreicht hat und was sie will. Und wenn Mitglieder des Kabinetts sich zu Wort melden, so vernimmt man dies und jenes, hat aber nicht den Eindruck, als walte dahinter eine gemeinsame Absicht oder ein von den Führungsfiguren Bouffier (CDU) und Hahn (FDP) vorgegebener Plan.

          Volker Bouffier mag seine guten Gründe haben, sich bundespolitisch bedeckt zu halten; sein Profil im eigenen Land schärft das nicht. Umso wichtiger wäre es zu wissen, wofür er steht (außer für innere Sicherheit und Wahlfreiheit bei G8 oder G9). Mit Freundlichkeit und jovialer Landesväterlichkeit allein ist keine Schlacht zu schlagen.

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