26.01.2010 · Mit einer Aufklärungsquote von 60,5 Prozent wurde 2009 nicht nur ein Rekord erzielt, Frankfurt steht auch im Vergleich mit den sechs anderen hessischen Flächenpräsidien glänzend da. Doch besagt die Quote allein kaum, wie sicher oder unsicher sich die Bürger in ihrer Stadt fühlen.
Von Katharina IskandarDer Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel gab sich erstaunlich zurückhaltend, ja fast nachdenklich, als er über die Entwicklung der Kriminalität in Frankfurt sprach. Er wolle keine Effekthascherei, machte er gleich zu Beginn deutlich. Es gelte, Lösungen zu finden, und das so schnell wie möglich.
Dabei hätte Thiel allen Grund zur Freude: Mit einer Aufklärungsquote von 60,5 Prozent wurde nicht nur ein Rekord erzielt, Frankfurt steht auch im Vergleich mit den sechs anderen hessischen Flächenpräsidien glänzend da. Doch Thiel hat offenbar erkannt, was vor allem von Politikern gern übersehen wird: dass nämlich eine Aufklärungsquote allein kaum eine verlässliche Aussage darüber trifft, wie sicher oder unsicher sich die Bürger in ihrer Stadt fühlen.
120 Personen für 16.000 Straftaten verantwortlich
Und so lautet das neue Zauberwort „täterorientierte Ermittlungen“. Einzelne Straftaten - seien es Raub, Betrug, Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung - werden künftig nicht mehr nur nach Deliktarten im Polizeisystem registriert, sondern gezielt dem jeweiligen Täter zugeordnet, sofern dieser sich durch Spuren am Tatort verrät. In Frankfurt sind derzeit rund 120 Personen im Kommissariat für Mehrfach- und Intensivtäter gespeichert, die schätzungsweise für 16.000 Straftaten verantwortlich sind. Wenn es also darum geht, diese besonders aktiven Kriminellen schneller und für einen längeren Zeitraum von der Straße zu holen, weil man ihnen gleich das ganze Straftatenregister nachweisen kann, dann ist diese Methode ausgesprochen sinnvoll. Diese Erfahrung hat die Frankfurter Polizei auch schon bei jugendlichen Intensivtätern gemacht, die seit einigen Jahren in einer Täterdatei geführt werden.
Schön wäre es, wenn die gezieltere Ermittlungsarbeit sich auch im Straßenbild der Stadt niederschlagen würde. Thiel sagt zu Recht, dass die Situation im Bahnhofsviertel noch längst nicht zufriedenstellend sei. Drogen werden auf offener Straße verkauft und konsumiert, illegale Prostituierte bieten ihre Dienste an. Insofern müssen Stadt und Polizei weiterhin eng zusammenarbeiten und den Kontrolldruck aufrechterhalten. Sonst hilft auch eine noch so hohe Aufklärungsquote nichts.