05.12.2008 · Es braucht keine Superlative, um zu würdigen, was auf dem Frankfurter Westend-Campus entsteht. Noch nie konnten Studenten und Professoren der Goethe-Uni unter so guten Bedingungen lehren und forschen wie in den fertiggestellten Bauten.
Von Sascha ZoskeOb es nun der „schönste Campus Europas“ wird, wie der Finanzminister schwärmt, oder nur die modernste Universität Deutschlands, wie es sich ihr Präsident wünscht – sei’s drum. Es braucht keine Superlative, um angemessen zu würdigen, was im Frankfurter Westend entsteht. Schon im ersten Bauabschnitt wurde ein Ensemble geschaffen, das mehr ist als Gebrauchsarchitektur für die Lernindustrie des 21. Jahrhunderts: In ihrer Gesamtheit dürften das Domizil der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, das Hörsaalzentrum und das House of Finance auch in Jahrzehnten noch als Beispiel für ebenso ansprechenden wie zweckmäßigen Hochschulbau gelten. Von den Betonkästen in Bockenheim lässt sich das nicht sagen, wobei Rudolf Steinbergs Verdikt („menschenverachtend“) vielleicht doch etwas zu drastisch ausgefallen ist.
Viel Raum für studentische Kultur
Auch die Schöpfungen der Architekten Heide, Müller und Reimann werden nicht jedermanns Geschmack treffen, auch auf dem neuen Campus ist in Gestalt des Studentenwohnheims ästhetisch Verunglücktes zu besichtigen. Doch noch nie konnten Studenten und Professoren der Goethe-Uni unter so guten Bedingungen lehren und forschen wie in den nun fertiggestellten Bauten. Und angesichts des insgesamt erstaunlich flotten Tempos, in dem das Projekt „Neue Universität Frankfurt“ bisher vorangetrieben wurde, erscheint es realistisch, dass auch die übrigen umzugsbereiten Fachbereiche bis 2014 in den Genuss komfortabler Räume kommen werden.
Fast genauso wichtig wie der zügige Baufortschritt ist jedoch die Belebung des Areals, das derzeit nicht nur jahreszeitlich bedingt noch etwas kühl wirkt. In den großen Auditorien und auf den Freiflächen, die sie umgeben, ist viel Raum für studentische Kultur. Krawall-Aktionen wie kürzlich die Besetzung des House of Finance durch linksextreme Demonstranten gehören allerdings ebenso wenig dazu wie ausufernde Kommerzveranstaltungen. Beides möge dem schönen Westend-Campus erspart bleiben.