23.04.2010 · An der Kürzung des Gesamt-Etats im nächsten Jahr führt angesichts der bedrückenden Haushaltslage kein Weg vorbei. Wie aber das verteilt wird, was es noch zu verteilen gibt, darüber ist das letzte Wort hoffentlich noch nicht gesprochen.
Von Sascha ZoskeDas Rezept ist nicht originell, aber deswegen nicht falsch: In schwierigen Zeiten muss sich ein Unternehmen auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Auch auf Hochschulen lässt sich diese Regel anwenden. Dass die Lehre ebenso wie die Forschung zum akademischen Kerngeschäft gehört, bestreitet in der Landesregierung wohl niemand. Und doch erwecken manche der bisher bekannten Zahlen zum neuen Hochschulpakt den Eindruck, als seien seinen Urhebern wissenschaftliche Glanzleistungen wichtiger als die solide Ausbildung einer großen und weiter wachsenden Zahl von Studenten.
Natürlich schmückt es eine Universität, wenn sie Forschungspreise gewinnt und bei Elitewettbewerben punktet. Von solchen Erfolgen profitieren indirekt auch die Studenten – aber eben nur die in den herausragenden Disziplinen. Absurd wäre es, wenn weniger prestigeträchtige Fachbereiche mit oft schon jetzt schwierigen Studienbedingungen sich zu weiteren Sparrunden gezwungen sähen, während jenen, die schon jetzt viel haben, noch mehr gegeben würde. Eine solche Entwicklung droht aber, wenn bei der Festlegung von Grund- und Leistungsbudget Letzteres ein zu hohes Gewicht bekommt.
Über dem Streben nach Exzellenzlorbeer den Alltag nicht vergessen
Hauptleidtragende einer solchen Umverteilung wären die Fachhochschulen, die denn auch am lautesten gegen die aktuellen Pläne des Landes protestieren. Aber auch zwischen forschungsstarken und -schwächeren Universitäten wie Frankfurt und Kassel würde das Gefälle weiter wachsen. Wenn selbst die Unternehmerverbände, die nicht im Verdacht stehen, jeden Beschluss der schwarz-gelben Regierung zu verteufeln, vor einer Aufteilung der Hochschulen in „Bundesliga“ und „Kreisliga“ warnen, sollte man das in Wiesbaden sehr ernst nehmen.
Die Verantwortung für eine gute Lehre liegt beim Land als dem wichtigsten Geldgeber, aber auch bei den zunehmend autonom agierenden Universitäten selbst. Beide dürfen über dem Streben nach Exzellenzlorbeer nicht den Alltag in den überfüllten Hörsälen aus dem Blick verlieren. An der Kürzung des Gesamt-Etats im nächsten Jahr führt angesichts der bedrückenden Haushaltslage kein Weg vorbei. Wie aber das verteilt wird, was es noch zu verteilen gibt, darüber ist das letzte Wort hoffentlich noch nicht gesprochen.