19.10.2009 · Die Heidelberger haben bis zum Schluss gekämpft. Tatsächlich aber ist die Sache klar: Das Europa-Hauptquartier der amerikanischen Armee zieht im Laufe der nächsten drei bis vier Jahre nach Wiesbaden um.
Von Peter BadenhopDie Heidelberger haben bis zum Schluss gekämpft. Und mancher hegt dort vielleicht immer noch einen letzten Funken Hoffnung. Tatsächlich aber ist die Sache klar: Das Europa-Hauptquartier der amerikanischen Armee zieht im Laufe der nächsten drei bis vier Jahre nach Wiesbaden um. Daran dürften auch die Verantwortlichen in Heidelberg, die alle Hebel in Bewegung gesetzt haben und sogar persönlich im Pentagon vorstellig wurden, jetzt nicht mehr zweifeln: Die Bewilligung des Baus eines neuen Führungs- und Kommandozentrums auf dem Wiesbadener Militärflugplatz Erbenheim ist ein untrügliches Zeichen, dass das Ringen entschieden ist.
Im Führungsstab der Army sind die Planungen für den Umzug ungeachtet aller Heidelberger Aktivitäten ohnehin kontinuierlich fortgesetzt worden. Und der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Europa, Heeresgeneral Carter Ham, hat seit seinem Amtsantritt im September 2008 wenig Raum für Spekulationen gelassen. „Wir sind im Plan“, hat der Vier-Sterne-General trotz aller Unwägbarkeiten der politischen Entscheidungsprozesse in Washington ein ums andere Mal betont – zuletzt im September im Gespräch mit dieser Zeitung.
Schon viel in Wiesbaden investiert
„Congress writes the checks“ lautet eine beliebte Formel, um die Abhängigkeit der Militärs von den Politikern zu verdeutlichen: Die Schecks werden vom Kongress ausgestellt. Genau diese Tatsache spricht nun aber überdeutlich dafür, dass die Entscheidung zur Verlegung des Hauptquartiers endgültig gefallen ist. Zuviel hat das Pentagon in den vergangenen Jahren in Wiesbaden schon investiert, um jetzt kehrt zu machen: Allein das fast fertige, hochmoderne Armee-Hotel „Hainerberg-Lodge“ hat den amerikanischen Steuerzahler 25 Millionen Dollar gekostet, das geplante Kommandozentrum soll mit mehr als 80 Millionen zu Buche schlagen, und weitere Investitionen von zusammen rund 300 Millionen Dollar sind avisiert, von 150 einzelnen Bauprojekten ist die Rede.
Angesichts dieser Zahlen ist es kein Wunder, dass die Heidelberger Stadtväter sich so für den Verbleib der Amerikaner ins Zeug gelegt haben. Die Wiesbadener wissen den Zuschlag für ihre Stadt hoffentlich zu schätzen. Denn die fortgesetzte amerikanische Präsenz ist ein großer Gewinn – nicht nur, aber auch wirtschaftlich.