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Kommentar Die Diffamierung der Arbeit

 ·  Die hessische Wirtschaft, deren Leistungen die Lebensgrundlage aller Einwohner des Bundeslandes sind, ist in bester Verfassung. Das Wachstum hält an, die Zahl der Arbeitsplätze steigt.

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Fragt man die Deutschen in Umfragen, wie es ihnen in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation im Allgemeinen oder an ihrem Arbeitsplatz im Besonderen geht, ergeben sich regelmäßig hohe Zufriedenheitswerte. Es ist eine subjektive Einschätzung, die sich jedenfalls in Hessen auch mit der objektiven deckt, wie sich  einmal mehr zeigt. Die hessische Wirtschaft, deren Leistungen die Lebensgrundlage aller Einwohner des Bundeslandes sind, ist in bester Verfassung. Das Wachstum hält an, die Zahl der Arbeitsplätze steigt, in manchen Regionen wie dem Taunus kann man von Vollbeschäftigung sprechen.

Zwischen die subjektive und die objektive Sichtweise hat sich jedoch eine dritte geschoben, ein Zerrbild. Wer abends Fernsehen schaut, wer Gewerkschafter hört oder oppositionelle Parteien, hat den Eindruck, das Wirtschaftsleben gleiche einem regellosen Dschungel und im Arbeitsmarkt dominierten mehr und mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse, also Leiharbeit, befristete Verträge, Niedriglohnjobs, würden zudem Arbeitskräfte, zumal weibliche, die eigentlich auf einer Vollzeitstelle arbeiten wollen, in perfider Weise auf Teilzeitstellen festgehalten. Der zehnte Jahrestag der Verkündigung des Reformprojekts „Agenda 2010“ durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Mitte dieses Monats war der jüngste Anlass dafür.

Die neue Präsidentin des Statistischen Landesamts, Christel Figgener, hat bei der Vorstellung der Wirtschaftsdaten für 2012 in manchem einer solchen Sichtweise auf den Arbeitsmarkt, soweit es um Hessen geht, eine Absage erteilt. Seitdem die Wirtschaft dieses Bundeslandes wieder auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt ist, steigt gerade nicht die Zahl der prekären Jobs, sie geht vielmehr zurück. Stattdessen werden mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gezählt, die in herkömmlicher Art und Weise angestellt sind. Und die Bedeutung der Leiharbeit nimmt auch keineswegs zu.

Richtig ist: Das Erwerbsleben wird vielfältiger. Doch Zeitarbeit kann, wenn Beschäftigte ihre Chance nutzen, zur Integration in den Arbeitsmarkt führen, Teilzeitarbeit ist eine Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. Der Fachkräftemangel lässt ohnedies die Verhandlungsmacht guter Arbeitnehmer steigen. Natürlich finden sich auch in Hessen Arbeitgeber, die man besser meiden sollte. Aber für die um sich greifende Diffamierung der Arbeitswelt als solcher gibt es keinen Grund.

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27.03.2013, 23:23 Uhr

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