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Kommentar Die Diffamierung der Arbeit

 ·  In Frankfurt sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr Arbeitsplätze entstanden. Die Mainmetropole ist der Jobmotor des Ballungsraums. Doch die schlechten Nachrichten häufen sich.

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Die schlechten Nachrichten häufen sich: Am Donnerstag war von einem Stellenabbau bei der Deutschen Lufthansa die Rede, am Freitag kündigte Neckermann die Halbierung seiner Belegschaftszahl an. Zuvor hatte schon die Helaba den Abbau von 450 Arbeitsplätzen gemeldet, und im Industriepark Höchst werden bei mehreren Betrieben Stellen abgebaut, womöglich allein 330 in der Sanofi-Forschung.

Die Streichung von Arbeitsplätzen macht zwangsläufig mehr Schlagzeilen als deren Aufbau, zumal er oft langsam geschieht. Aber in Frankfurt sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr Arbeitsplätze entstanden. Die Mainmetropole ist der Jobmotor des Ballungsraums, der gegenwärtig in einigen Teilen nahe der Vollbeschäftigung steht, im Taunus etwa.

Neue Logistikzentren stehen dort, wo es günstig ist

Der Zuwachs hat die Kritik am Arbeitsmarkt nicht verstummen lassen. Zuletzt war es der regionale DGB-Vorsitzende Harald Fiedler, der darauf hinwies, dass der Beschäftigungsaufbau seit 2008 weitgehend auf einen Anstieg an Teilzeitarbeit zurückzuführen sei. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen jedoch, dass dies in Frankfurt nicht auf Kosten von Vollzeitstellen geschieht, sondern zusätzlich. Es ist auch nicht so, dass Teilzeitarbeit grundsätzlich „prekär“ ist, wie der Gewerkschaftsvorsitzende meint. In vielen Fällen ist sie ausdrücklich erwünscht, um Familie und Beruf zu verbinden.

Die Diffamierung der Arbeit, die sich auch auf Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse erstreckt, ist ein zuverlässiger Begleiter des Aufschwungs, bevor in der nächsten Rezession wieder die Arbeitslosenzahlen als solche in den Blick rücken. Dabei lohnt die Überlegung, ob nicht schlechte Arbeit immer noch besser ist als gar keine Arbeit. Das werden am ehesten diejenigen unterschreiben, deren Stellen jetzt in den erwähnten Unternehmen bedroht sind. Vor allem der Stellenabbau in Frankfurts großem Versandhaus schmerzt, weil dort auch Menschen ohne hohen Bildungsabschluss Arbeit gefunden haben; für sie wird es in diesem Ballungsraum immer schwerer.

Dabei ist es ja gar nicht so, dass der Versandhandel als solcher darbt, ganz im Gegenteil. Nur stehen die neuen Logistikzentren von Amazon zum Beispiel in Bad Hersfeld, wo die Grundstücke billig sind. Wer solche Arbeit in Rhein-Main halten will, wird dafür sorgen müssen, dass durch die Ausweisung entsprechender Logistikflächen wenigstens die Chance für solche Ansiedlungen besteht; solche Areale werden offenbar zunehmend knapp. Die Neckermann-Beschäftigten jedoch können wohl nur hoffen, in anderen Branchen unterzukommen.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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