Der Anfang ist gemacht, und das ist gut so. Die Kapazitätserweiterung durch die Nordwestlandebahn gibt dem Frankfurter Flughafen die Chance, im Wettbewerb um die weltweiten Passagier- und Warenströme weiterhin um die Spitzenplätze zu konkurrieren. Mit dem Bau der Piste im Kelsterbacher Wald können gut 70.000 Frauen und Männer mit einer sehr viel größeren Wahrscheinlichkeit als vorher davon ausgehen, dass sie auch in Zukunft ihren Lebensunterhalt am Flughafen verdienen können. Für weitere gut 25.000 steigen die Chancen, direkt am Flughafen eine neue Arbeit zu finden, 40.000 neue Jobs erwartet Betreiber Fraport als Folge des Ausbaus für die gesamte Region. Selbst wenn sich diese Annahmen als zu optimistisch erweisen sollten, ist der wirtschaftliche Effekt des Ausbaus kaum zu überschätzen.
Dass die gesamte Luftverkehrswirtschaft im Moment leidet, ändert daran nichts. Das relative Gewicht des Flughafens für die Region wird nach der Krise womöglich noch gestiegen sein. Denn das Schicksal von Opel, einem der anderen großen Arbeitgeber im Rhein-Main-Gebiet, ist unsicher. Das muss sich vor Augen halten, wer den Trumpf eines Flughafens von Weltgeltung aus der Hand geben will, weil damit auch Belastungen und Nachteile für die Region verbunden sind. Dass Frankfurt und sein Umland bei einem Verzicht auf den Ausbau im internationalen Wettbewerb schnell ins Hintertreffen gerieten, ist nicht ernsthaft zu bestreiten.
Sorgen der Menschen ernst nehmen
Richtig ist aber auch, dass für die meisten Bewohner der Region eben nicht nur große Vorteile mit dem Flughafen verbunden sind, sondern dass der Ausbau für viele erhebliche Lasten mit sich bringt. Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender hat das nie geleugnet. Und er hat sich auch beim offiziellen Baubeginn zur Verantwortung seines Hauses bekannt, diese Lasten auf das erreichbare Minimum zu drücken.
Wer Benders vielfältiges Engagement abseits des Flughafens für die Region Rhein-Main nicht mutwillig ignoriert, der weiß, dass das keine leeren Worte aus feierlichem Anlass waren. Bender hat die offene Diskussion mit Ausbaukritikern nie gescheut, und er hat die Sorgen, die Ängste und auch manchen Ärger der Menschen ernst genommen. Es ist ein gutes Zeichen, dass auch sein designierter Nachfolger Stefan Schulte diesen Dialog pflegen will.
Ein wahrlich denkwürdiger Tag
Dietrich Elsner (Dietrich.Bruno)
- 09.05.2009, 14:41 Uhr