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Kommentar : Deshalb wählen wir

Schlussspurt: Hessen-SPD-Chef Schäfer-Gümbel (rechts) kommt mit Kanzlerkandidat Steinbrück am Tag vor der Wahl nach Frankfurt Bild: dpa

Jetzt lächeln sie wieder an jeder Straßenecke, unsere Volksvertreter. Als ausgemacht kann inzwischen gelten, dass die Demoskopen die FDP unterschätzen.

          Jetzt lächeln sie wieder an jeder Straßenecke, unsere Volksvertreter, von Bildbearbeitungsprogrammen mehr oder weniger geschönt, sehen wir einmal von der Frankfurter CDU-Abgeordneten Erika Steinbach ab, die im echten Leben besser aussieht als auf ihren Plakaten.

          Wegen der Doppelwahl am 22. September ist das Angebot an Köpfen noch größer als sonst. Für die Kandidaten ist es deshalb besonders schwierig, auf sich aufmerksam zu machen. Doch mit dem Wunsch nach Freiheit, Zukunft, Verantwortung, Gerechtigkeit gewinnt man keinen Blumentopf. Wer ein wenig Ironie ins Spiel bringt, ist klar im Vorteil. Bisher ist das nur Omid Nouripour gelungen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Frankfurt proklamiert, für Frieden und Eintracht zu sein.

          FDP wird unterschätzt

          Die bundespolitische Prominenz kommt in diesen Tagen noch dazu, wobei die Landes-SPD schon dafür sorgen wird, dass die Zahl der Steinbrück-Plakate nicht allzu groß ausfällt, während Angela Merkel omnipräsent sein wird.

          Nun können selbst die Demoskopen nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Doppelwahl auf das Verhalten des Souveräns in der Wahlkabine haben wird. Verweigert der bürgerliche Wähler, der im Bund zähneknirschend die schwarz-gelbe Koalition bestätigt, auf Landesebene seine Gefolgschaft? Oder geht die Merkel-Ergebenheits-Taktik von Volker Bouffier auf? Lassen sich SPD-Anhänger, die an der Bundesführung verzweifeln, von Thorsten Schäfer-Gümbel mobilisieren? Wollen die hessischen Grüne-Wähler tatsächlich gerne mehr Steuern zahlen, wie es Jürgen Trittin von ihnen behauptet?

          Als ausgemacht kann inzwischen gelten, dass die Demoskopen die FDP unterschätzen. Das war in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen so, und es scheint sich jetzt zu wiederholen. Es fällt auf, dass die hessischen Liberalen desto mehr die Abgrenzung von der CDU suchen, je näher der Wahltermin rückt. Daraus spricht neu gewonnenes Selbstbewusstsein. Bei SPD und Grünen verhält es sich umgekehrt. Aber vielleicht goutiert der Wähler solche Lagersolidarität. Auch deshalb gehen wir ja zur Wahl: Weil wir nicht wissen, wie es ausgeht.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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