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Kommentar : Der Weg ist frei

Bild: F.A.Z.

Der Rennklub hat die Pferderennbahn in Frankfurt geräumt - nach juristischem Gezerre. Nun ist es an den kreativen Köpfen, aus dem Gelände eine Attraktion für Fußballer und Bürger zu machen.

          Es war keine Entscheidung zwischen dem mächtigen Fußball und dem darbenden Pferdesport, wie manche immer noch argwöhnen, sondern schlicht eine nach den Buchstaben des Gesetzes. Der Bundesgerichtshof hat gestern letzte Zweifel beseitigt, ob der DFB tatsächlich in Frankfurt auf dem Gelände der siechen Rennbahn seine neue Zentrale bauen kann. Hätten die Karlsruher Richter die Zwangsvollstreckung „vorläufig“ gestoppt, wäre dies wohl das Aus für das Projekt gewesen. Denn noch ein Jahr, vielleicht sogar länger hätte der größte Sportverband der Welt nicht mehr auf ein endgültiges Ja gewartet, um an dieser Stätte seine Pläne für den Fußball der Zukunft zu verwirklichen.

          Der DFB will in seiner Akademie, die an der Grenze der Stadtteile Sachsenhausen und Niederrad neben dem Verwaltungstrakt entstehen soll, nichts weniger als die Voraussetzung schaffen, dass der deutsche Fußball Weltspitze bleibt. Auch für die Stadt ist das Projekt daher nicht nur von hohem Prestige, sondern stärkt auch ihren zuletzt leicht bröckelnden Ruf als Sportstadt.

          Wenn sie heute nach all den Irrungen und Wirrungen tatsächlich die Schlüssel ausgehändigt bekommen, müssen sich die Vertreter der Kommune fragen, ob sie das qualvolle Gezerre nicht hätten verhindern oder zumindest hätten abkürzen können. Ehe man sich in einen juristischen Kleinkrieg verbiss, der mitunter in persönliche Diffamierungen ausartete, wäre es besser gewesen, das Gespräch und einen Vergleich zu suchen.

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          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Aber das gehört in das große Kapitel, hinterher stets klüger zu sein. Dass man seit gestern auf diese manchmal spannende und unterhaltsame, über weite Strecken aber nervige Episode der Stadtgeschichte zurückblicken kann, daran lässt der Bundesgerichtshof keine Zweifel mehr. Eher lapidar merkt er an, der Renn-Klub habe gar nicht die Mittel, wieder Veranstaltungen durchzuführen. Und die Aussichten des Klubs, mit der Revision durchdringen zu können, seien gering.

          Nun ist es an den kreativen Köpfen, aus dem Gelände, das sich die Natur in den vergangenen Jahren zum Teil zurückerobert hat, eine Attraktion für Fußballer und Bürger zu machen. Für die Anwohner soll neben dem DFB-Komplex Raum für Flanieren und Entspannen bleiben. Was aus der traditionsreichen Rennbahn wird, steht unter besonderer Beobachtung.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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