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Kommentar Der Rücken der Passagiere

 ·  Die von Ufo gebrauchte Floskel, man wolle möglichst die Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der Fluggäste oder gar „der Menschen“ austragen, wird wie in ähnlichen Fällen allmählich zur Farce.

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Die Zeiten sind lange vorbei, in denen Stewardess für junge Frauen ein Traumberuf war. Das liegt nicht nur an den Spätfolgen der Emanzipation und an neuzeitlichen Schmähbegriffen wie Saftschubse. In den schmalen Gängen, auf mitunter schwankendem Untergrund stets freundlich zu bleiben, selbst wenn immer mehr Fluggäste meinen, sich als Rüpel aufführen zu müssen, ist mittlerweile ein nicht so glamouröser Job.

Der auch nicht adäquat entgolten wird, zumindest nicht in den ersten Berufsjahren, wenn das Bruttogehalt kaum die 2000-Euro-Grenze überschreitet. Für höhere Löhne und gegen den Trend zu streiken, dass durch Leihkräfte und den Ausbau von Billigfluglinien die Tarife noch gesenkt werden, ist daher ein legitimes Anliegen. Auf der anderen Seite muss die Lufthansa im harten internationalen Wettbewerb weiter die Kosten drücken, um ihre Position einigermaßen verteidigen zu können.

Zufriedenheit wichtigster Faktor

Ob dem Unternehmen die Balance gelingt zwischen dem Zwang zu sparen und der Motivation ihrer Mitarbeiter, wird sich am Ende des Tarifkonflikts zeigen. Die Zufriedenheit der Passagiere ist der wichtigste Indikator für die Branche. Wie schnell der Tomatensaft serviert wird, einige Zentimeter mehr oder weniger Beinfreiheit - das kann schon viel ausmachen. Erst recht ein Urlaubstag oder ein Geschäftstermin, den man verpasst, weil der Flieger am Boden blieb.

Noch mehr als die kurzfristigen wirtschaftlichen Einbußen muss daher die Kranichlinie als Folge des Tarifkonflikts einen Imageschaden fürchten. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter weiß dies und hat ähnlich wie jene der Lokführer darauf ihre Taktik ausgerichtet. Möglichst lange damit hinter dem Berg zu halten, wann und wo man streiken werde, zielt nicht nur darauf ab, zu verhindern, dass das Unternehmen Ersatz organisieren kann. Man kalkuliert dabei mit dem Ärger der ratlosen Passagiere als stärkstes Druckmittel.

Die abermals gebrauchte Floskel, man wolle möglichst die Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der Fluggäste oder gar „der Menschen“ austragen, klingt daher hohl und wird wie in ähnlichen Fällen allmählich zur Farce. Sie sollte aus dem Wörterbuch des Arbeitskampfes gestrichen werden.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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