Mit der Eröffnung der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen ist die Lärmbelastung für viele Menschen in der Rhein-Main-Region gewachsen. Und dies in einer Weise, die auch besonnene, abwägend urteilende und keinesfalls auf Krawall gebürstete Bürger zu Wutbürgern werden lässt. Der abstrakt nach wie vor richtige Gedanke, dass jedes Fluggeräusch auch ein Verkünder wirtschaftlicher Prosperität sei, verliert an Überzeugungskraft, wenn man vor lauter Lärm kaum noch denken kann. Auch die nach wie vor richtige Erinnerung daran, dass auch Lärmgeplagte gern dann und wann mit Lärm verursachenden Maschinen in den Urlaub fliegen, tröstet Anwohner nicht, die sich nicht mehr in den eigenen Garten trauen oder am Telefon ihr eigenes Wort nicht verstehen.
Die Fraport AG als Betreiber des Flughafens tut gut daran, die Sorgen - in manchen Fällen ist das inflationär gebrauchte Wort „Nöte“ durchaus angemessen - ernst zu nehmen. Es ist klar, dass ein solches Unternehmen jetzt allen Ehrgeiz daran setzt, durch wirtschaftlichen Erfolg die Versprechen von Wachstum und Arbeitsplätzen einzulösen. Doch auch die Fraport AG muss wissen, dass sie nicht nur global denken, sondern auch lokal handeln muss. Sie sollte in puncto Lärmbekämpfung in der Lufthansa als dem Hauptnutzer einen entschlossenen Bündnisgenossen finden - das Unternehmen kann schließlich auch kein Interesse daran haben, als Dauerkrachmacher wahrgenommen zu werden.
Belohnung der Leisen und Bestrafung der Lauten
Natürlich bleibt die Sache schwierig, Flugzeuge können sich nicht lautlos fortbewegen. Aber im Groben muss doch die Richtung klar sein. Zuvörderst muss Fraport in Wort und Tat verdeutlichen, dass Lärmbekämpfung kein Lippenbekenntnis, sondern Herzensanliegen ist. Und natürlich helfen die schon eingeleiteten Projekte zum Einbau von Schallschutz in den Häusern und Wohnungen der Menschen, die besonders betroffen sind.
Wichtig und wirksam sind danach aber alle Maßnahmen, die für die Belohnung der Leisen und die Bestrafung der Lauten sorgen. Das heißt, es müssen Reize ausgehen für die Produktion leiserer Maschinen und für die Entwicklung „leiserer“ Routen. Auch durch noch stärker differenzierende Gebühren können die Guten ent- und die Schlechten belastet werden. Schließlich muss es Sanktionen auch für Piloten geben, die sich mutwillig oder nachlässig nicht um die Menschen kümmern, die sie unter ihnen bedröhnen. Kurzum: Wenn Fraport und die Politik das Problem nicht lösen, haben Fraport und die Politik ein Problem.