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Kommentar : Der kleine Wurf

Vor wenigen Jahren noch hieß es in Frankfurt noch, die Stadt brauche exklusiven Wohnraum, um die „High Potentials“ und „Urban Professionals“ halten zu können. Heute hat sich das Blatt gewendet.

          Neue Bebauungspläne aufzustellen gehört zum Alltagsgeschäft im Frankfurter Planungsdezernat. Doch von den ersten Plänen bis zum tatsächlichen Baubeginn dauert es oft quälend lang. Noch aus dem vergangenen Jahrhundert stammt zum Beispiel die Idee, östlich von Bonames ein neues Wohnviertel anzulegen. Passiert ist dort bislang nichts.

          Sicher, Planen ist eine beschwerliche Angelegenheit. Es gilt, rechtliche Belange zu prüfen, die Umweltverträglichkeit zu untersuchen, die Verkehrsanbindung zu gewährleisten und vieles mehr. Doch in Zeiten, da viele Menschen in Frankfurt verzweifelt nach einer bezahlbaren und attraktiven Wohnung suchen, kann es sich die Stadt nicht mehr leisten, lange zu warten.

          „Planen, planen, planen“

          Planungsdezernent Cunitz hat das erkannt. Er hat daher seine Mitarbeiter angewiesen, weniger wichtige Dinge nachrangig zu behandeln und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Planen, planen, planen“ lautet sozusagen die Devise. Die Fachleute in den Ämtern sollen möglichst viele Bebauungspläne beackern, damit kleinere Flächen an vielen Orten zugleich so schnell wie möglich baureif werden. Wenn es irgendwo stockt, geht es anderswo weiter.

          Das ist nicht der große Wurf, es entsteht kein komplett neuer Stadtteil. Aber es ist vernünftig, denn innerhalb von nur zwei Jahren können auf diese Weise Flächen für insgesamt 7000 Wohnungen baureif gemacht werden. Das ist eine stattliche Zahl. Zuletzt hieß es, dass in Frankfurt ungefähr 3000 Wohnungen im Jahr gebaut werden müssen, um dem Druck standzuhalten.

          Fehler der Vorgänger ausbügeln

          Die entstehenden Neubauwohnungen sind nicht günstig, aber jede Bautätigkeit nimmt Druck von den etablierten Vierteln mit ihrem gewachsenen Mietwohnungsbestand. Besonders bezahlbarer Wohnraum für Geringverdiener und Mittelschicht ist Mangelware. Diese Erkenntnis ist der Politik spät gekommen: Vor wenigen Jahren noch hieß es unter Cunitz’ Vorgänger Edwin Schwarz, die Stadt brauche dringend exklusiven Wohnraum, um die „High Potentials“ und „Urban Professionals“ in der Stadt halten zu können. Heute hat sich das Blatt gewendet, und die Nachfolger müssen die Fehler der Vergangenheit ausbügeln.

          An Vorschlägen, wie dem Wohnungsmangel beizukommen ist, herrscht kein Mangel. Es gibt sogar Debatten, den Grüngürtel dort, wo es sinnvoll ist, behutsam zu begradigen und Gewerbe- zu Wohngebieten umzuwandeln. Damit sind endlich große Tabuthemen angesprochen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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