30.03.2010 · Der starke Dienstleistungssektor in Frankfurt und Umgebung gleicht die Industrielastigkeit in der Mitte und im Norden des Bundeslandes aus. In besseren Jahren hat dies zu unterdurchschnittlichen Wachstumsraten Hessens geführt - nicht so in der Krise.
Von Manfred KöhlerWem täglich beim Blick auf die Hochhäuser die Dominanz der Banken in Frankfurt in Erinnerung gerufen wird, der mag sich kaum vorstellen, dass Hessen ausgerechnet einmal mit der Ausgewogenheit seiner Wirtschaftsstruktur punkten würde. Doch gleicht eben der starke Dienstleistungssektor in Frankfurt und Umgebung die Industrielastigkeit in der Mitte und im Norden des Bundeslandes aus. In besseren Jahren hat dies zu unterdurchschnittlichen Wachstumsraten Hessens geführt; stärker von der Industrie und damit dem boomenden Export getragene Länder wie Baden-Württemberg eilten davon. Nun hat sich dies umgekehrt. 2009 hat die Wirtschaft in Hessen weniger gelitten als anderswo.
Die Zusammenhänge sind mithin denkbar schlicht und sollten die Landesregierung davor bewahren, ihren eigenen Einfluss auf die Wirtschaftslage zu überschätzen. Gleichwohl meinte das Wirtschaftsministerium gestern mitteilen zu müssen, die neuesten Zahlen zur Konjunktur bestätigten den Erfolg hessischer Wirtschaftspolitik, namentlich des speziellen hessischen Konjunkturprogramms. Auch Finanzminister Weimar (CDU) brüstet sich damit oft und gerne.
Eigenlob der Politik verbietet sich
Man mag Weimar diesen Hinweis verzeihen, nachdem die Staatsverschuldung Hessens mit diesem milliardenschweren Paket endgültig aus dem Ruder gelaufen ist. Und es stimmt ja auch, dass die Wertschöpfung im Baugewerbe in Hessen 2009 leicht stieg, in Deutschland insgesamt aber leicht sank. Doch erstens kann dies mitnichten allein am Konjunkturpaket gelegen haben, das seine Wirkungen erst spät im Jahr entfalten konnte. Und zweitens trägt das Baugewerbe gerade vier Prozent zur Wertschöpfung der hessischen Wirtschaft bei.
Angesichts des tiefen Einbruchs auch der Wirtschaft Hessens verbietet sich eigentlich ohnehin jede Form von Eigenlob aus der Politik. Ihre Kernaufgabe bleibt wie eh und je, für wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen zu sorgen, wozu auf Landesebene und darunter etwa die Schaffung einer zeitgemäßen Infrastruktur (Stichwort Flughafen, ICE-Strecke nach Mannheim) zählt sowie eine Raumplanung, die nicht zum obersten Ziel erklärt, bestimmte Investitionen zu verhindern (Stichwort Ikea in Hofheim). Geld verdienen, Arbeitsplätze schaffen, Wohlstand mehren werden die Unternehmen dann schon alleine.
Hessen profitiert von der Ausgewogenheit seiner Wirtschaft – mehr als von Konjunkturspritzen.