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Kommentar Der Elan ist dahin

 ·  Lange nichts gehört vom Kulturcampus. Der große Elan, der das städtebaulich ambitionierte Projekt begleitete, ist offenbar geschwunden.

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Lange nichts gehört vom Kulturcampus. Der große Elan, der das städtebaulich ambitionierte Projekt begleitete, ist offenbar geschwunden. Dass es um das Vorhaben ruhig geworden ist, bedeutet aber nicht, dass die Pläne beerdigt sind. Im Hintergrund rumort es: Der Bebauungsplan und ein erstes bauliches Zeugnis werden vorbereitet. Die Studiobühne der Musikhochschule ist ein erster, vielversprechender Schritt auf dem Weg zum Kulturcampus.

Sie ist ein Zeichen, dass hier etwas passiert: Man denke an die rote Infobox auf dem Potsdamer Platz, die Millionen Berlin-Besuchern Einblicke in Europas größte Baustelle gewährte. Die Studiobühne ist aber mehr als ein emblematisches Schaufenster. In den Probe- und Theaterräumen wird jeden Tag gearbeitet. Die Produktionsstätte soll den Geist des Kulturcampus nach Bockenheim tragen.

Das Schicksal der Uni-Bibliothek steht in den Sternen

Auf den ersten Blick ist schwer zu vermitteln, warum ein temporärer Bau nötig ist, wenn an derselben Stelle ohnehin später ein Teil der Hochschule gebaut werden soll. Dass durch das Provisorium Mieten in Millionenhöhe gespart werden, ist ein gutes Argument. Die Musikhochschule soll außerdem das Herz des Kulturcampus werden. Doch die Ansiedlung ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten: Was mit der Universitätsbibliothek geschieht, an deren Stelle in Bockenheim die Musikhochschule treten soll, steht in den Sternen. Zwar ist auf dem Campus Westend auch eine Bibliothek geplant. Aber das Land hat sich weder auf einen Neubau festgelegt noch einen Umzugstermin genannt. Außerdem ist die Musikhochschule unglücklich mit dem ihr zugedachten Standort, sie sucht die Nähe zu den anderen Kulturinstituten auf dem Gelände südlich der Bockenheimer Landstraße.

Die vielen ungelösten Fragen zeigen, warum der Leiter der Musikhochschule Rietschel befürchtet, es könnte keinen Kulturcampus geben, wenn sich die Politik nicht dazu bekennt. Zwar beteuern alle Beteiligten guten Willen, aber bisher steht noch kein Geld für die Ansiedlung der Kultureinrichtungen zur Verfügung. Es wäre nicht das erste Mal, dass große Ideen an finanziellen Zwängen scheitern. Dass die ABG schon Pläne für die Bebauung des Labsaal-Grundstücks hat, ohne dass über die Ansiedlung der Kultur entschieden ist, unterstreicht, wie berechtigt Rietschels Befürchtungen sind. Der Kulturdezernent hält sich derweil auffällig zurück. „Das läuft ja nicht weg“, heißt es im Dezernat. Wenn man sich darin mal nicht täuscht.

So ruhen die Hoffnungen auf dem Architekturwettbewerb für die Studiobühne: Er wäre eine Gelegenheit, neben der Pflicht auch eine Kür zu beauftragen. Wie könnte man die Universitätsbibliothek einbinden? Ein reizvolles Ergebnis kann viele überzeugen.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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