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Kommentar Der Bischof könnte noch glaubwürdiger sein

05.03.2010 ·  Der Vertrauensverlust der Kirche ist groß. Sie muss Missbrauch so glaubhaft wie möglich bekämpfen.

Von Stefan Toepfer
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Es war vor gut 20 Jahren: Das Bistum Limburg übernahm einen Würzburger Priester, der sich an Kindern vergangen hatte, setzte ihn im Westerwald ein, wo er wieder zum Täter wurde, berief ihn ab und übergab ihn 1992 ans Bistum Bamberg. Damals war Raban Tilmann Generalvikar. „Diese Versetzungspraxis war damals der Versuch, Priestern eine neue Chance zu geben“, sagt Tilmann, der mittlerweile im Ruhestand ist, wenn er heute darauf angesprochen wird. „Seit diesem Fall weiß ich, dass das falsch war.“

Diese Einsicht hätte ihm und den anderen Verantwortlichen früher kommen müssen. Auch die, dass man Missbrauchsopfern nicht erst Hilfe signalisiert und sie dann verweigert – so wie es nach einem „Spiegel“-Bericht von 2005 Bischof Franz Kamphaus und sein Generalvikar Günther Geis taten und das Opfer an das für es zuständige Bistum Magdeburg verwiesen.

In Urlaub

Eine Bewertung jener Fälle im Licht der neuen Missbrauchsvorwürfe war von der Diözese gestern nicht zu bekommen – in der bischöflichen Behörde ist freitags nachmittags niemand mehr, der Fragen kompetent beantworten kann. So viel lässt sich sicher sagen: Der jetzige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hätte den Priester nicht einfach versetzt – gemäß jenen Richtlinien, die in der Kirche seit 2002 gelten. Tebartz-van Elst lässt keinen Zweifel daran, dass er für rückhaltlose Aufklärung steht. Er tut, was seinem Amte entspricht, und das ist richtig. Wie sehr die Vorfälle ihn aber persönlich bis ins Mark treffen, wie stark die Erschütterung ist, wie groß das Mitleid mit Opfern und die Enttäuschung über die jüngst bekannt gewordenen Täter, von denen er einen gut kennt, lässt er sich kaum anmerken. Warum eigentlich nicht? Er könnte so noch glaubwürdiger sprechen, und das wäre angesichts des großen Vertrauensverlustes, den die Kirche derzeit erleidet, immens wichtig.

Einen wirklichen Fauxpas hat sich sein Amtsbruder Heinz Josef Algermissen aus dem Bistum Fulda erlaubt: Er sei in Urlaub und könne nicht weiterhelfen, antwortete er auf Fragen von Journalisten nach Missbrauchsvorwürfen in seiner Diözese. Kälter geht es nimmer.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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