05.05.2008 · Die Einigung zwischen Elsaessers Erben, der Stadt und der EZB ist so ausgefallen, dass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren. Was an Geld fließt, wird zur Mehrung des Ruhms von Elsaesser verwendet. Auch das ist Baukultur.
Von Matthias AlexanderEs waren viele Juristen beteiligt, und da ist es kein Wunder, dass sich die Sache hingezogen hat. Seit Monaten schon wussten Eingeweihte zu berichten, im Urheberrechtsstreit um die Frankfurter Großmarkthalle sei in der Sache eine Einigung erreicht. Doch die Anwälte der Europäischen Zentralbank (EZB), der Stadt und der Erben des Architekten Martin Elsaesser mussten noch lange an den Vertragsklauseln feilen. Nun scheint man fast am Ziel zu sein, die Unterschriften der Beteiligten gelten nur noch als Formsache.
Die Einigung ist so ausgefallen, dass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren. Die Stadt muss froh sein, dass das wichtige Bauprojekt nicht länger durch einen Rechtsstreit überschattet wird. Es war für ihr Renommee nicht gut, die Rechtslage beim Verkauf des Areals nicht bis ins Letzte geklärt zu haben. Auch die Anwälte der Zentralbank hätten allerdings vor Vertragsschluss überprüfen müssen, wie es um das Urheberrecht des Architekten bestellt ist; es handelt sich keineswegs um eine abwegige Rechtsmaterie.
Bewusstsein über den bauhistorischen Rang des Gebäudes geschärft
Wie auch immer, die EZB kann ihren neuen Hauptsitz so errichten, wie sie das will. Es bleibt bei dem Riegel, der das denkmalgeschützte Bauwerk durchdringt. Befürworter des Entwurfs von Coop Himmelb(l)au sprechen von einer markanten Geste, Gegner von einem Frevel an dem bedeutenden Bauwerk. Architekten und Bauherrin argumentieren, man komme um einen tiefen Eingriff in die Halle ohnehin nicht herum, da nachträglich ein repräsentativer Haupteingang in die bisher geschlossene Fassade eingefügt werden müsse. Dieses Argument ist stichhaltig. Erfreulich ist auch, dass die in Fachkreisen intensiv geführte Debatte über die Halle in der Bauabteilung der EZB offenbar das Bewusstsein über den bauhistorischen Rang des Gebäudes befördert hat. Das wird dem Denkmalschutz im Detail nutzen.
Die Elsaesser-Erben haben immer versichert, dass es ihnen nicht um Geld zu tun sei. Nicht nur in der Immobilienbranche, die Rechtspositionen gern zu klingender Münze macht, wurde diese Behauptung vielfach mit Unglauben quittiert. Doch die Nachkommen haben Wort gehalten. Was an Geld fließt, wird im wesentlichen zur Mehrung des Ruhms von Elsaesser verwendet. Auch das ist Baukultur.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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