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Kommentar : Den Kölner Querelen entronnen

Die Verpflichtung von Uwe Laufenberg Glücksfall für Wiesbaden, wo er die Nachfolge von Manfred Beilharz als Intendant des Staatstheaters antreten wird. Von ihm ist mehr zu erwarten als solide Theaterarbeit.

          Eine Oper braucht Planungssicherheit. Die Kölner Kulturpolitik hat sich allerdings nicht sonderlich darum geschert. Finanzielle Zusagen wurden gemacht und zurückgenommen, der eine Politiker wusste nicht, was der andere versprochen hatte, das Chaos in der Domstadt-Kultur war wie so oft in den vergangenen Jahren wieder einmal perfekt. Dem Intendanten, der zur Spielzeit 2009/2010 sein Amt angetreten hatte, platzte irgendwann der Kragen. Er nahm kein Blatt vor den Mund und äußerte seine Meinung über die handelnden Personen im Rathaus. Eine fristlose Kündigung war die Folge. Es gab noch einiges Hin und Her. Am Ende stand die einvernehmliche Auflösung seines Vertrags zum August dieses Jahres. Dennoch wurde das Musiktheater in Köln jüngst zum Opernhaus des Jahres 2012 gewählt.

          Die Auszeichnung galt ausschließlich einem Mann, der in der Lage ist, nicht nur mit seiner offenen Art, sondern vor allem mit den von ihm verantworteten Produktionen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Uwe Eric Laufenberg hat ein Gespür für Programmgestaltung und ungewöhnliche Inszenierungen. Insofern ist seine Wahl ein Glücksfall für Wiesbaden, wo er die Nachfolge von Manfred Beilharz als Intendant des Staatstheaters antreten wird. Auch als Leiter des Hans Otto Theaters in Potsdam hat er im vorigen Jahrzehnt für Furore gesorgt: Plötzlich interessierten sich sogar die Berliner für diese Bühne.

          Von Laufenberg ist mehr zu erwarten als solide Theaterarbeit. Mit Überraschungen darf jederzeit gerechnet werden. Das Sprech- ist ihm ebenso vertraut wie das Musiktheater. Als Schauspieler und Regisseur kennt er zudem die künstlerische Seite des Theaterbetriebs sehr genau. Das alles kann dem Staatstheater in der Landeshauptstadt zugutekommen, das nicht nur mit den traditionsreichen Maifestspielen, sondern auch mit der von Beilharz beförderten Biennale „Neue Stücke aus Europa“ stets den ästhetischen Anschluss an nationale und internationale Entwicklungen sucht.

          Wenn Laufenberg in Wiesbaden unter angemessenen Bedingungen arbeiten kann, ist nicht auszuschließen, dass sich im Rhein-Main-Gebiet das Wunder von Potsdam wiederholt. Im Analogieschluss hieße dies: Die Frankfurter hätten mit einem Mal ein gesteigertes Interesse an der Oper und womöglich auch am Schauspiel in Wiesbaden.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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