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Kommentar Das Wohnzimmer der Stadt

24.11.2008 ·  Ein gut gestalteter Platz soll zum Verweilen einladen. Der öffentliche Raum sollte sozusagen das Wohnzimmer der Stadt sein. Beim ersten Blick auf den neugestalteten Dreifachplatz herrscht jedoch ein anderer Eindruck vor. Er ist grau. Und er ist leer.

Von Rainer Schulze
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Im rumänischen Sibiu, dem früheren Hermannstadt in Siebenbürgen, ist in das Pflaster des „Großen Rings“, des zentralen Platzes, ein Sprudelbrunnen eingelassen. Dieser Brunnen ist eine Attraktion. Scharen von Einheimischen und Touristen vergnügen sich im Sommer am Anblick der Kinder, die durch sprudelnde Fontänen rennen und bei dem Versuch, den unvermittelt aus dem Boden quellenden Wassersäulen auszuweichen, ein ums andere Mal von den Tropfen erwischt werden. Es mag sein, dass der computergesteuerte Sprüh- und Sprudelbrunnen auf dem Rathenauplatz zu einer ähnlichen Attraktion wird.

Es ist zumindest zu hoffen. Denn ein gut gestalteter Platz soll zum Verweilen einladen. Der öffentliche Raum sollte sozusagen das Wohnzimmer der Stadt sein. Nur wer sich hier wohl fühlt, wird gerne seine Mittagspause auf einer Bank verbringen oder im Einkaufsbummel eine Verschnaufpause einlegen. Beim ersten Blick auf den neugestalteten Dreifachplatz herrscht jedoch ein anderer Eindruck vor. Er ist grau. Und er ist leer.

Etwas mehr Grün

Dagegen, dass Roßmarkt, Goetheplatz und Rathenauplatz weitgehend unbebaut sind, ist wenig einzuwenden. Denn freie, unverstellte Plätze bilden städtebaulich einen beruhigenden Gegensatz zur engen und lauten Straße. Doch während in Siena oder Rom solche Freiräume in der Stadt unter anderem wegen der sie umstehenden Randbebauung funktionieren, herrscht auf dem neuen Frankfurter Riesenplatz eine andere Form von Leere. Sie ist eher eine Ödnis, denn hier fehlt Leben. Der dunkle Belag passt nicht zu den hellen Fassaden der Gebäude.

Und am ganzen Platz gibt es nicht ein einziges Café, das seine Stühle auf das Pflaster stellt. Es gab Bestrebungen, zwischen Goetheplatz und Roßmarkt in Verlängerung der Junghofstraße einen fünfgeschossigen Riegel mit Restaurants und Cafés im Erdgeschoss zu bauen. Das hätte die Plätze zwar beleben können, aber gleichzeitig hätte auch der großzügige Eindruck gelitten.

Nun blickt Goethe schon fast nicht mehr milde von seinem Denkmal auf das Grau in Grau hinab. Etwas mehr Grün hätte dem Platz sicher gut getan. Doch der Monat November ist nicht der beste Zeitpunkt, um abschließend über die Attraktivität zu urteilen. Denn weder stehen die Bäume in vollem Laub, noch lassen sich die Wasserspiele beobachten. Vielleicht sollte man dem neuen Platz noch ein wenig Zeit geben.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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