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Kommentar Das sollte Rhön noch einmal prüfen

 ·  Der Mutterkonzern will am Uni-Klinikum Gießen und Marburg 500 Stellen streichen. Das Klinikum wird die Leistung aber nur wie gewünscht steigern können, wenn es nicht personell ausblutet.

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Das hatten sich die Rhön Klinikum AG und vor allem ihre Belegschaft in Gießen und Marburg gewiss anders vorgestellt. Im siebten Jahr nach der umstrittenen Privatisierung steht das Universitätsklinikum wieder mit schlechten Nachrichten im Blickpunkt. 500 Stellen, so heißt es, sollen in zwei Schritten an beiden Standorten wegfallen. Der Grund: Dem Flaggschiff des börsennotierten Rhön-Konzerns fehlen nach Angaben des Vorstandschefs allein im diesem Jahr unter dem Strich mehr als zehn Millionen Euro. Das ist mehr, als das Klinikum zuletzt binnen zweier Jahre verdient hat. Diese Nachricht erwischt Belegschaft und Öffentlichkeit kalt, da das Großklinikum zuletzt auf einem guten Weg schien.

Nach den Protesten gegen den Verkauf der Mehrheit am Uni-Klinikum und Klagen aus der Belegschaft über eine unzumutbar gestiegene Arbeitsbelastung war das Klinikum in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Die jahrelang chronisch roten Zahlen drehte das zu 95 Prozent zu Rhön gehörende Unternehmen in einen Gewinn. Geschäftsführung und Betriebsrat fanden Wege, in Fällen von Überlastung gemeinsam Abhilfe zu schaffen. Im April 2011 konnte Rhön den 125 Millionen Euro teuren zentralen Neubau in Gießen in Betrieb nehmen - und auf weiteren wirtschaftlichen Auftrieb infolge kürzerer Wege und einen effizienteren Einsatz von Mitarbeitern hoffen. Im vergangenen Jahr sind zudem die Patientenzahl und die Leistung gestiegen, wie es heißt.

Dies aber hat für das Klinikum nicht nur Vorteile. Denn mehr Patienten bedeuten in der Logik der Budgetierung der Kliniken nicht auch entsprechende Mehreinnahmen. Dies ist Rhön ebenso wenig anzulasten wie der Umstand, dass die Kassen nicht für die vor Jahresfrist vereinbarten höheren Gehälter aufkommen. Anders verhält es sich mit dem Vorhaben von Rhön, das Uni-Klinikum selbst die aus Investitionen in Gießen und Marburg folgenden Zinslasten und Abschreibungen tragen zu lassen.

Vielleicht denkt das börsennotierte Unternehmen darüber noch einmal nach. Vor allem aber sollte der Konzern zuerst schauen, wie er Sachkosten drückt und für Mehrerlöse sorgt, bevor er Stellen opfert. Denn auf die Dauer wird das Uni-Klinikum die Leistung wie gewünscht nur steigern können, wenn es nicht personell ausblutet.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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