02.11.2007 · In einem Magistratsbericht wird von „gravierenden Defiziten“ im Frankfurter Zoo berichtet. Wie diese Mängel allerdings aussehen, wird nicht gesagt. Das offizielle Schweigen macht einen unguten Eindruck.
Von Eva-Maria Magel„Ein Platz für Tiere und Menschen“ lautete früher das Motto des Frankfurter Zoos. Hinter den Kulissen allerdings scheinen die Leute sich nicht wohl zu fühlen. Vor sieben Monaten hatte Zoodirektor Christian Schmidt urplötzlich sein Amt niedergelegt. Er hat sich nie zu den Gründen geäußert.
Umso häufiger allerdings, wie jüngst in einem Magistratsbericht, ist seither von „gravierenden Defiziten“ im Zoo die Rede gewesen – letzlich Vorwürfe an den Direktor. Wie Mängel allerdings aussehen, die einen so raschen und drastischen Wechsel nötig machten, wird weder vom Zoo, noch vom Dezernenten Felix Semmelroth (CDU) gesagt, so nötig die öffentlich genannten Veränderungen auch sind. Weder die Politik noch zoo-nahe Institutionen geben Auskunft. Dass dieses offizielle Schweigen von Gerüchten, anonymen Briefen und Kommentaren im Internet begleitet wird, verstärkt den unguten Eindruck. Es zeigt aber auch, wie wichtig der Zoo ist, auch außerhalb Frankfurts.
Die Politik diskutiert die „Vision Zoo“ nicht
Jahrelang verständigte sich die Politik auf das Sparen beim einst legendären Zoo – Schmidt hatte es immerhin geschafft, dennoch etliche artgerechte Gehege finanziert zu bekommen. Dass die Bevölkerung jetzt per E-Mail zur „Vision Zoo“ beitragen durfte, täuscht nicht darüber hinweg, dass die Entscheidungen an Transparenz zu wünschen übrig lassen. So etwa wurde sehr schnell der vorige Zoo-Tierarzt und Berner Tiergartendirektor Bernd Schildger als Berater berufen.
Nach eigener Aussage will er nicht Zoodirektor werden – seine Pressemitteilungen aus Bern aber wurden über den Zoo Frankfurt versandt, was keinerlei Kommentar nach sich zog. Und offenbar möchte unter den Politikern, die sich kurz über die Lage des Zoos echauffierten, keiner genau nachfragen oder die neue „Vision Zoo“ diskutieren. Für den Zoo, einen der wichtigsten Orte dieser Stadt, scheint es derzeit nur zwei Tiere zu geben: Austern – und schweigende Lämmer. Das hat er nicht verdient.