27.09.2008 · Galopprennsport ist nicht nur in Frankfurt aus der Mode gekommen. Bislang hat die Stadt jedes Jahr Zehntausende in Preisgelder gesteckt. Dass die Stadt jetzt weitere Hilfe verweigert, ist konsequent. Wer den Galopprennsport in Frankfurt erhalten will, der wird sich engagieren müssen.
Von Tobias RösmannGünter Paul ist ein kluger Mann. Als Präsident des Frankfurter Renn-Klubs weiß er genau, wie ernst die Lage diesmal ist. Die Stadt will kein zusätzliches Geld mehr geben, um die einzige hessische Galoppbahn zu retten. Wenn sich Paul in einer stillen Stunde an seinen Schreibtisch setzt und addiert, wie viel Steuergeld in den zehn Jahren seiner Amtszeit in die Rennbahn in Niederrad gesteckt worden ist, wird er zugeben müssen, dass sich die Stadt nicht eben kleinlich gezeigt hat. Als „versteckte Hilfen“ hat der Jurist das System einst selbst charakterisiert.
Da ist zum einen das städtische Grundstück, das der Renn-Klub besonders günstig nutzen darf. Als 1996 auf dem Gelände eine Golfanlage gebaut wurde, ging die Pacht des Betreibervereins nicht an die Stadt, der das Areal gehört, sondern an den Renn-Klub. Darüberhinaus zahlt Frankfurt seit Jahren nicht gerade geringe Summen für Preisgelder der Renntage; in diesem Jahr waren es 37.000 Euro. Doch all das hat nicht geholfen: Die Zahl der Renntage ist kontinuierlich zurückgegangen, der Galopprennsport samt Pferdewette ist nicht nur in Frankfurt aus der Mode gekommen. Nun kann der Renn-Klub offensichtlich den laufenden Betrieb aus eigener Kraft nicht mehr decken.
Hohe Kreditkosten, sinkende Wettbegeisterung
Für den Niedergang gibt es Gründe: eine für den Verein zu teure Tribüne samt hoher Kreditkosten, die sinkende Wettbegeisterung, geänderte Glücksspielregeln und dadurch stärkere Konkurrenz. Doch mit Fehlern, anderen Rahmenbedingungen und schwieriger Konjunktur haben auch andere in Frankfurt zu kämpfen. Denen gewährt die Kommune nicht – wie dem Renn-Klub – das Recht, rund sieben Millionen Euro, die ein Hotelinvestor für die Nutzung eines Areals an der Rennbahn zahlt, zur Tilgung eigener Schulden und für Investitionen in die Anlage zu verwenden.
Dass die Stadt jetzt weitere Hilfe verweigert, ist konsequent. Das Aus für den Galopprennsport muss das nicht bedeuten. Wer ihn erhalten will, wird sich finanziell engagieren müssen. Pferderennen gibt es in Frankfurt seit 1863. Soll diese Tradition fortgesetzt werden, müssen jetzt andere einspringen: Die Stadt jedenfalls kann einen dauerdefizitären Privatbetrieb nicht länger allein auf der Bahn halten.