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Kommentar Das Passivhaus ist überholt

15.02.2012 ·  Von Rainer Schulze

Von Rainer Schulze
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Über mangelnden Ehrgeiz der öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften, wenn es um umweltfreundliches Bauen geht, kann sich in Frankfurt niemand beschweren. Die Nassauische Heimstätte plant als „Weltpremiere“ ein Plus-Energie-Haus im Geschosswohnungsbau, die ABG erprobt gemeinsam mit dem Architekten Christoph Mäckler neue Dämmstoffe. Wer auch immer das grünste Haus von allen baut, ein Ergebnis steht schon fest: Das Passivhaus ist überholt.

Jene, die schon länger bezweifeln, dass es sinnvoll ist, einen willkürlich festgelegten Energiestandard zum Nonplusultra zu erklären, dürfen sich bestärkt fühlen. Die technologische Entwicklung ist dem Passivhaus enteilt. In einer Zeit, in der Plus-Energie-Häuser die Avantgarde des ökologischen Bauens sind, wirkt der Beschluss der Stadt Frankfurt, ihre öffentlichen Bauten im Passivhaus-Standard zu errichten, von gestern.

Auf den Forrtschritt der Technik vertrauen

Ein bestimmter Gebäudetyp darf kein Dogma sein. Je nach Bauaufgabe sollte man nicht starrsinnig vorschreiben, wie viele Kilowattstunden ein Gebäude verbrauchen darf, sondern das jeweils vernünftige Maß suchen. Das gilt besonders für die Sanierung von Bestandsbauten. Hier hilft es mehr, flächendeckend die Bausubstanz auf mittlerem energetischen Niveau zu modernisieren, als bei Einzelgebäuden das Optimum zu erzielen.

Es lohnt sich auch, auf den Fortschritt der Technik zu vertrauen. Statt die Häuser mit 30 Zentimeter dicken Kunststoffschichten zu dämmen, können dünnere Baustoffe mit besseren Dämmeigenschaften in Kombination mit dem Einsatz regenerativer Energien zu ähnlich guten Werten im Verbrauch führen. Dass Mäckler, ein prominenter Kritiker des Dämmwahns, sich mit der ABG zu einem Forschungsprojekt zusammengetan hat, macht Hoffnung.

Wettbewerb tut gut

Der Einsatz dünnerer Dämmstoffe verschafft den Architekten mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Allerdings führt die Behauptung, ein Plus-Energie-Haus setze der Formensprache keine Grenzen, in die Irre. Ein Gebäude, das über seine Hülle Energie erzeugt, fordert Zugeständnisse: von der Ausrichtung nach Süden bis zum Verzicht auf Balkone, die die Fassade verschatten. An Solarzellen auf den Dächern wird man sich wohl gewöhnen müssen.

Die Fortschritte im ökologischen Bauen zeigen auch, dass Wettbewerb gut tut. Leider machen die städtischen und staatlichen Wohnungsbaugesellschaften das Rennen unter sich aus, die Privaten halten sich zurück. Für die Nassauische Heimstätte eine gute Gelegenheit, auf die Vorteile hinzuweisen, die ein Verbleib im Besitz der öffentlichen Hand darstelle.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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