10.02.2010 · Überraschungen hatte Opel-Chef Nick Reilly nicht im Gepäck, als er am Dienstag den „umfassenden Zukunftsplan“ für den Automobilbauer vorstellte. Die wichtigsten Komponenten des Konzeptes waren schon in den vergangenen Wochen ausgeplaudert worden.
Von Hanns MattesÜberraschungen hatte Opel-Chef Nick Reilly nicht im Gepäck, als er am Dienstag den „umfassenden Zukunftsplan“ für den Automobilbauer vorstellte. Die wichtigsten Komponenten des Konzeptes waren schon in den vergangenen Wochen ausgeplaudert worden, von der Werksschließung in Antwerpen bis hin zum Abbau von 3800 Stellen in den deutschen Werken und der Unternehmenszentrale in Rüsselsheim. Und auch der Ruf von Reilly nach staatlicher Hilfe für die Sanierung kommt so überraschend wie Schnee im Winter.
Immerhin können sich die Ingenieure im Technischen Entwicklungszentrum von Opel in Rüsselsheim entspannen: Die Ankündigung von Reilly, das erstens 80 Prozent der Modellpalette in den nächsten vier Jahren erneuert und zweitens die Verantwortung für alle diese Produkte in Rüsselsheim liegen wird, bedeutet die erhoffte Stärkung des hessischen Entwicklungsstandorts. Und das Stammwerk muss zwar noch einmal knapp 900 Arbeitsplätze abgeben, aber die Zukunft der Fabrik ist laut Konzept einstweilen gesichert.
Gruß an Toyota
Auch ansonsten hört sich manches hübsch an, was Reilly zu Protokoll gibt: Neben neuen Modellen setze der Konzern auf die Entwicklung neuer Antriebe, Opel werde neue Märkte im Mittleren Osten und in Asien erschließen und mit qualitativ hochwertigen Produkten – Gruß an Toyota – seine Position in Europa festigen.
Nur fehlen Reilly noch mindestens zwei Bausteine, um seine Pläne auch in die Tat umzusetzen. Da ist zum einen die Belegschaft: Die hat das Management mit der Ankündigung der Antwerpen-Schließung düpiert, und postwendend zog der Betriebsrat seine Vorschläge zur Beteiligung der Mitarbeiter am Sparprogramm zurück. Diesen Sanierungsbeitrag hatte die Arbeitnehmervertretung an Bestandsgarantien für die euopäischen Werke geknüpft. Diese Voraussetzung ist entfallen, Reilly steht also bei den Verhandlungen mit seiner Belegschaft erst am Anfang.
Viel zerbrochenes Porzellan
Zum Zweiten soll die Staatskasse mit Milliarden-Garantien den Opel-Umbau absichern – und um diese Kredite oder Bürgschaften wird Reilly kämpfen müssen. Denn mit der überraschenden Abkehr des Mutterkonzerns General Motors vom Verkauf Opels an Magna wurden die Länder und Staaten mit Standorten der Automarke brüskiert – und auch die schon gemachten Zusagen sind obsolet.
Opels neuer Chef-Lobbyist Volker Hoff, Hessens ehemaliger Europaminister, wird in Wiesbaden, Berlin und Brüssel einiges an zerbrochenem Porzellan zu kitten haben, bevor die Politik wieder Vertrauen in Opel und den Sanierungsplan setzen wird.
Hanns Mattes Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Groß-Gerau.
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