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Kommentar : Das kann weg

Nicht um gute Vorsätze geht es zu Jahresbeginn, sondern eher um eine Neujahrs-Eröffnungsbilanz im Sinne der Frage von Theodor Fontane: „Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?“

          “Wegen Inventur geschlossen“, dieser Hinweis an Ladentüren und Werkstätten ist selten geworden. Vermutlich muss in Zeiten von Barcodes und elektronischer Lagerhaltung kein Geschäftsinhaber zum Jahreswechsel mehr von Hand nachzählen, wie viele Dosen Erbsen und Möhren, 380 Gramm Einwaage, oder wie viele Holzschrauben, 30 Millimeter, mit Senkkopf, er noch im Bestand hat.

          Das öffnet Raum und Zeit, den Jahreswechsel zur inneren Inventur zu nutzen. Nicht um gute Vorsätze geht es, sondern eher um eine Neujahrs-Eröffnungsbilanz im Sinne der Frage von Theodor Fontane: „Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?“ Zum Beispiel der Wettbewerb „Land der Ideen“ - seit 2005 rufen die Bundesregierung, Unternehmen von BASF bis Thyssen-Krupp und Verbände von der chemischen Industrie bis zu den Zeitschriftenverlegern dazu auf, Ideen zu haben. Das ist ja nicht völlig verkehrt, aber bald ist jede Gemeinde, die eine neue Blumenrabatte anlegt, geradezu ein Kosmos der Ideen. Wie sind wir eigentlich vor 2005 als Land der Tüftler und tüchtigen Ingenieure durch die Weltgeschichte gekommen? Bestimmt nicht schlechter, vielleicht sogar besser. Bilanz: „Land der Ideen“ kann weg.

          Tag mit albernem Namen

          Nicht vermissen würden wir auch den „Equal Pay Day“. Nichts dagegen einzuwenden, dass Frauen für gleiche Arbeit so bezahlt werden wie Männer, aber bringt uns ein Tag mit albernem Namen dem noblen Ziel auch nur einen Schritt näher? Überhaupt wäre der Verzicht auf so manchen Tag kein Verlust, sondern ein Gewinn. Was hat es mit dem 24. Februar auf sich, der in ganz Europa als „Tag des Notrufs 112“ mehr oder weniger feierlich begangen wird? Er firmiert nicht als Gedenk-, sondern als Aktionstag. Also was tun? Die 112 anrufen und gratulieren?

          Da fiele uns schon eher für den 21. Januar etwas Passendes ein. Den hat ein Pfarrer namens Kevin Zaborney aus dem Land der unbegrenzten Ideen als „National Hug Day“ ausgerufen und für seinen schönen Einfall so viele Anhänger gefunden, dass er nun als „Internationaler Weltknuddeltag“ gefeiert wird. Bilanzierungsvorschlag: mit dem Valentinstag (14. Februar) zusammenlegen, denn dann würde wieder ein Tag für andere lohnende Aktivitäten frei.

          Warum kein „Welttag des Tages“?

          Doch was fehlt? Wie so oft das Naheliegende. Warum gibt es keinen „Welttag des Tages“, einen internationalen Tagtag sozusagen? Auf diesen Gedanken ist während der Kampagne „Land der Ideen“ niemand gekommen. Unser Favorit ist und bleibt allerdings der Schalttag am 29. Februar. Da schalten wir richtig ab. Schade, dass er nur alle vier Jahre begangen wird, er hätte mehr verdient.

          Quelle: F.A.Z.

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