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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Das ganz große Spiel

 ·  Kein Konzern im Rhein-Main-Gebiet ist so abgehoben wie die Deutsche Börse AG. Auf der anderen Seite zählt das Unternehmen zu den wertvollsten Adressen des Ballungsraums.

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Kein Konzern im Rhein-Main-Gebiet ist so abgehoben wie die Deutsche Börse AG. Das coole Personal gibt sich gar nicht erst die Mühe, den Menschen zu erklären, womit das Geld im Einzelnen verdient wird. Man hielt es auch nicht für nötig, groß um Verständnis für den Umzug nach Eschborn zu werben. Als die Deutsche Börse AG kürzlich auf 425 Jahre Aktienhandel in Frankfurt zurückblickte, dauerte der Festakt auf dem Parkett beschämende 19 Minuten. Wer der Sichtweise zuneigt, im Wirtschaftsleben gehe es stets kaltherzig zu, findet im Auftritt des Konzerns, der jetzt kostenoptimiert in einem eisgrauen Neubau in Frankfurts Nachbarstadt residiert, eine vortreffliche Bestätigung.

Doch das ist nur die eine Sichtweise. Auf der anderen Seite zählt die Deutsche Börse gemeinsam mit der Deutschen Bank zu den wertvollsten und stolzesten Adressen des Ballungsraums. Berichte über Fusionen, die womöglich die Verlagerung von Leitungsaufgaben, generell von Arbeitsplätzen nach sich ziehen, werden daher zu Recht mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Im Falle der Deutschen Börse ist der Finanzplatz in solcher Aufregung schon geübt; die gestern bekanntgewordenen Pläne für ein Zusammengehen mit der Nyse Euronext sind der soundsovielste Versuch, dem Konzern mehr Weltgeltung zu verschaffen und eine bessere Position im globalen Wettbewerb.

Das neue Projekt sollte gelassen betrachtet werden

Die seit Generationen etablierten Handelsplätze sehen sich gemeinsam neuer Konkurrenz gegenüber – durch aufstrebende Börsen in Fernost, durch den wachsenden außerbörslichen Handel. Mit dem steuersparenden Umzug nach Eschborn ist überdeutlich geworden, unter welchem Druck die Deutsche Börse steht. Trotzdem zählt sie selbst an der Börse 2011 bisher zu den schwächsten Werten. Der Konzern ist zwar besser aufgestellt als viele Konkurrenten, weil er nicht nur mit dem Aktienhandel verdient, sondern auch mit der Abwicklung dieser Geschäfte und der Verwahrung der Papiere. Doch an den Märkten wird die Zukunft gehandelt, und im Falle der Deutschen Börse heißt es eben, es fehle die Wachstumsphantasie.

Angesichts des Scheiterns aller bisherigen Pläne für eine weltumspannende Zusammenarbeit sollte auch das neue Projekt gelassen betrachtet werden. Ob Frankfurt Gewinner oder Verlierer wäre, lässt sich ohnedies noch nicht erkennen. Von den Eigentümern und dem Management wird man Rücksichten auf Frankfurter Befindlichkeiten nicht erwarten können. Allerdings ist der Kern des Börsenkonzerns, der eigentliche Wertpapierhandel, immer noch eine öffentlich-rechtliche Angelegenheit, über die das hessische Wirtschaftsministerium wacht. Die Politik sollte sich in dieses ganz große Spiel zwar nicht einmischen. Ein bisschen Lobby für Frankfurt darf sie aber schon sein.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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