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Kommentar : Das Erbe verpflichtet

Frankfurt ist einem Versuch gescheitert, die May-Siedlungen als „Ergänzung“ der Berliner Siedlungen der Moderne auf die Welterbeliste zu hieven. Sollte Frankfurt einen neuen Anlauf wagen, müsste es sein modernes Erbe besser präsentieren.

          Schmale Schleichwege haben den Nachteil, dass sie nicht so gut ausgebaut sind wie die breiten Straßen. Beim Versuch, den Weg abzukürzen, kann man durchaus steckenbleiben. Das hat nun auch der Arbeitskreis erfahren, der die Frankfurter May-Siedlungen mit einem Trick auf die Welterbeliste „mogeln“ wollte.

          Die Idee war folgende: Nähme die Unesco die May-Siedlungen als „Ergänzung“ der Berliner Siedlungen der Moderne auf die Liste auf, bliebe Frankfurt das normale Bewerbungsverfahren erspart. Doch der Erweiterungspassus der Unesco ist anders gemeint: Eine bestimmte Welterbe-Stätte kann nicht um ein Projekt in einer ganz anderen Stadt ergänzt werden. Weil der Titel „Berliner Siedlungen der Moderne“ spezifisch auf die Hauptstadt ausgerichtet ist, war das vermeintlich schlaue Unterfangen von vornherein aussichtslos.

          Ein „serielles Welterbe“

          Nach dem Scheitern war die Ratlosigkeit zunächst groß. Doch jetzt wird schon ein neuer Anlauf vorbereitet. Zu einem „seriellen Welterbe“ könnte man sich gemeinsam mit anderen Städten auf der ganzen Welt zusammentun, die im Wohnungsbau der Moderne Großartiges geleistet haben. Der Blick fällt auch auf Israel oder Afrika. Denn die Unesco vergibt den Titel in Europa sehr restriktiv.

          Sollte Frankfurt einen neuen Versuch wagen, müsste es sein modernes Erbe zunächst einmal besser präsentieren. Eine Schwierigkeit mit den Siedlungen des „Neuen Frankfurt“ ist nämlich ihr Zustand. Sie sind vielfach umgebaut worden, viele Eigentümer sind mit den May-Gebäuden nicht gerade pfleglich umgegangen. Ungewiss ist, inwiefern sie aus Sicht der Unesco noch die Maßstäbe an ein authentisches Denkmal erfüllen.

          Konzept zur denkmalgerechten Sanierung

          Der Großteil der Siedlungen befindet sich in der Hand der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG. Sie hat ein Konzept zur denkmalgerechten Sanierung entwickelt, das schon angewandt wird und auf einen Kompromiss zwischen Wohnqualität und Denkmalschutz hinausläuft. Um das Erscheinungsbild zu bewahren, werden die Häuser nur mit wenigen Zentimeter dicken Hartschaumplatten gedämmt. Damit ist es nicht getan. Die Stadt braucht einen Managementplan für ihre May-Siedlungen. Verbindliche Gestaltungsregeln etwa zur Farbgebung gehören dazu, damit es nicht länger aussieht wie Kraut und Rüben.

          Während man in der Welt nach Partnern sucht, sollte man den Wert der Siedlungen auch der eigenen Bevölkerung besser vermitteln, gemeinsam mit May-Gesellschaft und Elsaesser-Stiftung. Ein eigener Ausstellungsraum zum „Neuen Frankfurt“ in der Römerstadt wäre ein Anfang.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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