04.12.2009 · Bei den Studentenprotesten im Casino wurden Wände beschmiert, Möbelstücke und Grafiken beschädigt. Es ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Studenten, die sich im Casino aufhielten, sich nicht an den Zerstörungsakten beteiligt hat. Zumindest eine Mitverantwortung haben aber all jene, die sich nicht von solchen Exzessen distanzieren.
Von Sascha ZoskeAuf ihr Geschichtsbewusstsein halten sich die Protagonisten der jüngsten Frankfurter Studentenproteste viel zugute. „Norbert-Wollheim-Universität“ hätte die Hochschule nach ihrem Willen künftig heißen sollen, zur Erinnerung an den Mann, der nach dem Krieg für die Rechte der vom IG-Farben-Konzern ausgebeuteten Zwangsarbeiter stritt.
Zu dieser behaupteten Sensibilität für die Historie des neuen Frankfurter Universitätsstandorts passt der Umgang, den manche Teilnehmer des „Bildungsstreiks“ mit den Räumen des Poelzig-Baus geübt haben, äußerst schlecht. Nicht nur wurden Wände beschmiert und Möbelstücke beschädigt, auch die Grafiken des von den Nationalsozialisten verfolgten Künstlers Georg Heck hatten unter der Zerstörungswut einiger „Demonstranten“ zu leiden. Sollten die Täter tatsächlich die gleichen Personen gewesen sein, die ihren Protest gegen die Bildungsmisere gerne mit antifaschistischen Parolen grundieren, wäre ihnen zu empfehlen, erst einmal die eigene Bildung zu vervollkommnen, bevor sie sich über tatsächliche oder vermeintliche Mängel des Systems empören.
Gipfel der Absurdität
Es ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Studenten, die sich bis Mittwochabend im Casino aufhielten, sich nicht an den Zerstörungsakten beteiligt hat. Zumindest eine Mitverantwortung haben aber all jene, die sich nicht von solchen Exzessen distanzieren oder sie sogar als legitime Ausdrucksform studentischen Unmuts rechtfertigen. Wie schon zu Zeiten der Demonstrationen gegen die Studiengebühren weigert sich der AStA hartnäckig, eine klare Trennlinie zwischen legalem und illegalem Tun zu ziehen – was nach einem Blick ins Strafgesetzbuch nicht allzu schwer wäre.
Die Organisatoren der Besetzung trifft auch die Hauptschuld daran, dass die anfangs friedliche Auseinandersetzung mit den Folgen der Bologna-Reform in Frankfurt mit einem Polizeieinsatz endete. Heuchlerisch ist der Vorwurf an Universitätspräsident Werner Müller-Esterl, er habe sich einem deeskalierenden Dialog verweigert. Dass er zum Gespräch mit den Studenten bereit ist, hat er immer wieder bewiesen, doch jede Konzilianz muss dort enden, wo materielle und moralische Werte der Universität so massiv missachtet werden wie bei der nächtlichen Randale auf dem Westend-Campus. Der Gipfel der Absurdität ist erreicht, wenn Studentenfunktionäre und einige linke Politiker nun über eine „Kriminalisierung“ des Protests durch Universität oder Medien jammern. Kriminalisiert haben sich die geschichtsvergessenen Casino-Chaoten, und zwar aus eigener Kraft.
Bitte um Foto des zerstörten Kunstwerks!
Christian Varga (czsolt)
- 08.12.2009, 00:51 Uhr
@cwc
Christian Varga (czsolt)
- 10.12.2009, 18:22 Uhr