14.04.2009 · Es mutet wie ein schlechter Scherz an. Im Zeitalter des Siegeszugs von Discountern droht dem Inbegriff des Billigkaufhauses das Geld auszugehen. Auf die Dauer wird sich Woolworth nur behaupten können, wenn sich das Unternehmen als Anbieter unentbehrlich macht. Das kann gelingen.
Von Thorsten WinterEs mutet wie ein schlechter Scherz an. Im Zeitalter des Siegeszugs von Discountern droht dem Inbegriff des Billigkaufhauses das Geld auszugehen: Angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit hat die Frankfurter Kaufhauskette Woolworth Deutschland Insolvenzantrag gestellt. Diese Nachricht fügt sich an eine Reihe wenig ermutigender Meldungen aus dem Haus an der Lyoner Straße in Niederrad. Jahrelang haben die Umsätze nur eine Richtung gekannt: abwärts. Die Gesellschafter mussten sich mit Verlusten herumschlagen, statt wie andere Anbieter im unteren Preissegment Gewinne zu schreiben.
Ein massiver Arbeitsplatzabbau hat ebenso wenig daran geändert wie ein Umbau von Geschäften und Korrekturen am Sortiment. Die Aussage vom November, Woolworth Deutschland sehe sich „erfolgreich auf Wachstumskurs“, muss den Mitarbeitern im Nachhinein wie Hohn klingen.
Ein zweiter Versuch?
Der Insolvenzantrag ist aber nicht nur eine weitere schlechte Nachricht von Woolworth – er passt auch zur Lage der Warenhäuser insgesamt. Kaufhof hat zwar 2008 den operativen Gewinn gesteigert, steht aber auf der Verkaufsliste der Metro-Gruppe, Karstadt beschert dem Arcandor-Konzern rote Zahlen, der Traditionsmarke Hertie droht gar das Ende. Aus dem Billigsegment sind vor Jahren schon Bilka und Kaufhalle verschwunden.
Ob Woolworth ihnen folgen wird, muss sich weisen. Der vorläufige Insolvenzverwalter will versuchen, möglichst viele Stellen und Filialen zu erhalten. Auf die Dauer wird sich Woolworth nur behaupten können, wenn sich das Unternehmen als Anbieter unentbehrlich macht. Es muss die wöchentlichen Aktionsattacken der Lebensmitteldiscounter kontern und gegen Textilbilligketten wie Kik und Takko bestehen.
Das kann gelingen: Der Anfang März eingesetzte Geschäftsführer hat nach vier Wochen das Handtuch geworfen, weil ihm falsche Zahlen vorgelegt worden waren. Da er aber durchaus Chancen für eine Rettung zu sehen scheint, könnte es zu einem zweiten Anlauf kommen.