Die Kirchen mahnen gerne zu Gerechtigkeit in der Arbeitswelt. Das ist ihnen unbenommen. Glaubwürdig können sie dies dann tun, wenn ihre Forderungen mit ihrem eigenen Verhalten als Arbeitgeber übereinstimmen. Was das Bistum Limburg angeht, klafft dort eine gehörige Lücke: Der Generalvikar des Bistums hat Patrick Dehm, dem Leiter einer Einrichtung für junge Erwachsene in Frankfurt, fristlos gekündigt; ein Gespräch gab es nicht. Verständlicherweise hat das massive Kritik im Bistum hervorgerufen, die sich, wie zu erwarten war, ausweitet.
Zwar wird nach wie vor außergerichtlich versucht, zu einer Schlichtung zu kommen, aber dessen ungeachtet ist der Schaden, den der Umgang mit Dehm angerichtet hat, schon jetzt beträchtlich. Das gilt zuerst für ihn, der seit bald 25 Jahren im Dienst des Bistums steht, und seine Familie. Das gilt aber auch für die Arbeit im Haus der Begegnung und für das Betriebsklima im Bistum Limburg. Und es gilt für die ökumenische Zusammenarbeit in der Kirchenmusik für junge Leute. Glaubt man Beobachtern, geht es um die Zukunft jenes musikalischen Engagements in der Diözese, für das außer Dehm nicht zuletzt der evangelische Pfarrer Eugen Eckert steht, der sich gestern öffentlich zu den Vorgängen äußerte.
Länger nachwirken
Bemerkenswert ist, dass sich der Limburger Bischof gegen die Art des Umgangs mit Dehm ausgesprochen und auf den Anspruch von Mitarbeitern verwiesen hat, gehört zu werden. Das mag selbstverständlich klingen, aber diese Intervention war wichtig. Sie wirft allerdings weitere Fragen auf, zum Beispiel die, ob die Äußerung des Bischofs konkrete Folgen für Dehm hat oder „nur“ für künftige, ähnlich gelagerte Fälle zwischen Dienstgebern und -nehmern im Bistum Limburg. Spannend auch: Wie ist es um das weitere Verhältnis von Bischof und Generalvikar bestellt?
Die Auseinandersetzung um die Kündigung Dehms mag eines Tages innerkirchlich oder gerichtlich geklärt sein - nachwirken wird sie noch länger.