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Kommentar Besser als nichts

23.01.2012 ·  Angesichts der Pannen und Affären an der Elite-Uni EBS wünschen sich die Befürworter des Projekts, dass es endlich sichtbare Fortschritte geben möge. Und es gibt Anlass zur Hoffnung.

Von Ewald Hetrodt
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Wer die Idee gut findet, fasst sich an den Kopf. Und wer immer schon gegen die öffentliche Förderung privater Hochschulen war, sieht sich bestätigt. Seitdem das Land Hessen, die Stadt Wiesbaden und die European Business School (EBS) sich im Frühjahr 2009 darauf einigten, in Wiesbaden eine Juristische Fakultät zu errichten, hat es eine skandalöse Serie von Fehlleistungen gegeben.

Sie begann damit, dass Erstsemester der vermeintlichen Elite volltrunken durch die Weinberge im Rheingau torkelten und mit Hubschraubern gesucht werden mussten. Die Gründungsfeier der Universität war schon vorüber, als sich herausstellte, dass es für den geplanten Campus gar keine Baugenehmigung gab. Eine Million Euro aus der Anschubfinanzierung des Landes wurde zweckentfremdet. Den Präsidenten entließ man, aber dann blamierte man sich vor dem Arbeitsgericht. Mit einem Sponsor leistete sich die EBS einen öffentlichen Schlagabtausch über den Verbleib gestifteten Geldes.

Vor diesem Hintergrund wünschen sich die Befürworter des Projekts, dass es endlich sichtbare Fortschritte geben möge. Sie horchen jedes Mal auf, wenn die Unterzeichnung des Vertrages mit einem Investor angekündigt wird. Aber jetzt sind sie abermals enttäuscht und auf das Frühjahr vertröstet worden.

Sie haben bei aller Skepsis Gründe für die Hoffnung, dass die EBS in ein bis zwei Monaten tatsächlich einen Partner präsentieren kann, der für die Realisierung des Vorhabens steht. Denn der Ansatz ist richtig, und auch die öffentliche Förderung lässt sich rechtfertigen. Das Land saniert mit Hilfe der Stadt für rund zwanzig Millionen Euro ein denkmalgeschütztes Gerichtsgebäude, für das es ohnehin aufkommen muss. Die EBS zahlt für die Nutzung. Außerdem wird eine Tiefgarage gebaut.

Das alles gilt nur unter der Voraussetzung, dass sich ein Investor findet. Die Anschubfinanzierung des Wissenschaftsministeriums von rund 24 Millionen Euro erscheint vertretbar, weil die geschaffenen Studienplätze erst nach und nach besetzt werden, die Gebühreneinnahmen also zunächst noch begrenzt sind. Wenn sich die Hörsäle füllen, gibt es in Wiesbaden schon in wenigen Jahren eine Universität, die das Land kaum Geld kostet, weil die Eltern zahlen. 88 Nachwuchsjuristen haben ihr Studium im Herbst in einer angemieteten Wiesbadener Büroimmobilie angetreten. Das ist besser als nichts.

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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