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Kommentar Bequemlichkeit trifft Wirklichkeit

 ·  Das Internet hat gewonnen. Wir gehen nicht mehr in die Stadt, um Schuhe oder eine CD zu kaufen, wir bestellen alles im Netz. Das bleibt nicht ohne Folgen.

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Das Internet hat gewonnen. Wer eine CD kaufen will, geht dafür nicht mehr auf die Zeil. Wozu auch? Außer bei Saturn und in den spärlich bestückten CD-Ecken der Kaufhäuser gibt es dort kaum noch Tonträger. Wer nicht gerade die neueste Scheibe von Beyoncé oder irgendetwas aus der Hitparade sucht, ist schon zu viele Male erfolglos wieder nach Hause gegangen. Dort, am Computer, gibt es alles, was irgendwie Musik genannt werden kann, ist leicht zu finden und bequem zu bestellen.

Bei Büchern zählt für viele noch das Stöber-Erlebnis zum Einkauf. Doch die Internethändler probieren an immer mehr Produktgruppen aus, ob sich ein ähnlicher Siegeszug wie bei der Musik wiederholen lässt - mit Schuhen, Brillen und Windel-Abo. Allein ein Gang auf die Homepage von Amazon könnte inzwischen ganze Samstagseinkäufe ersetzen. Das Sortiment reicht längst vom Autoreifen über Badarmaturen bis zu Parfum und Taschenrechnern. Über Berichte von miesen Arbeitsbedingungen im Großlager oder der Ausschnüffelei von Kundendaten empören sich zwar viele gern. Das führt aber in den wenigsten Fällen auch dazu, dass sie nicht mehr im Internet bestellen.

Der Service muss besser werden

Ein Hinderungsgrund liegt für viele hingegen darin, dass die Bequemlichkeit des Internets doch regelmäßig aufhört, sobald sie auf die Wirklichkeit trifft - wenn die Waren vom Bildschirm an der eigenen Haustür ankommen sollen. Denn da geht es dann doch plötzlich wieder um so hässliche Sachen wie Terminvereinbarungen und Dienstzeiten - wenn auch nicht die eigenen, sondern die der Paketdienste. Dann klingelt der Bote an der Tür, während der Kunde gerade bei der Arbeit ist, und der kann erst am nächsten Werktag von einer bestimmten Uhrzeit an sein Paket bei der Poststelle abholen.

Es wird Zeit, dass die Paketdienste ihren Service nun endlich verbessern wollen. Eine Angabe der ungefähren Lieferzeit auf zwei Stunden genau, wie sie die Post nun plant, bietet dem Kunden immerhin die Möglichkeit, sich darauf einzustellen. Die zusätzlichen Annahmestellen, die viele der Dienstleister einrichten wollen, kommen am Ende vielen zugute, auch wenn sie nur ein sehr eingeschränktes Angebot bieten. Wer nur ein fertig frankiertes Päckchen abgeben will - zum Beispiel, um das zu kleine Paar Schuhe an den Online-Händler zurückzuschicken -, der muss dafür bald nicht mehr weit laufen. Und wenn diese Kunden woanders hingehen, entlastet das auch die stets langen Schlangen in den herkömmlichen Poststellen.

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23.07.2013, 23:20 Uhr

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