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Kommentar Baby muss lernen

 ·  Musikalische Früherziehung war gestern. Heute ist musikalische Frühestförderung angesagt. Jedenfalls in der Frankfurter Alten Oper. Zu beachten ist der themenzentrierte Ansatz babygruppendynamischer Präsentation.

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Musikalische Früherziehung war gestern. Heute ist musikalische Frühestförderung angesagt. Jedenfalls in der Frankfurter Alten Oper, die sich bald in Junge Oper umtaufen wird. Konzerte werden dort, wie der neue Leiter Stephan Pauly jüngst (!) bekanntgab, bald auch für Babys angeboten, genauer: für junge Erwachsene zwischen null und drei Jahren.

Wer das für ansatzweise leicht übertrieben hält, ignoriert, dass musikalische Frühestertüchtigung im Mutterleib etwa mit dem dritten Monat einsetzt und es bewiesen ist, dass Kinder, die früh mit einer Fremdsprache konfrontiert werden, sie auch dann später schneller erlernen, wenn sie eine ganze Weile nicht diesen Klängen ausgesetzt waren. Auch der Einwand, man könne sein Baby ja auch daheim vor die Stereo-Anlage setzen und ihm den 2. Satz aus dem Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll BWV 1043, aber bitte nur in der Version mit Menuhin und Oistrach, vorspielen, dieser Einwand zielt ins Leere, denn er vergisst den themenzentrierten Ansatz babygruppendynamischer Präsentation und allgemein den Eventcharakter.

Bildung in der schönsten Form

Und damit die Eltern. Welches Gefühl nämlich kann wärmender sein, als gemeinsam mit anderen Vätern und Müttern den Sprösslingen Bildung in der schönsten Form nahezubringen - und dabei durchaus auch die Leistungsaspekte frühkindlichen Lernens unter Berücksichtigung der von Musik provozierten Lautäußerungen der Babys zu vergleichen. Sollten Säuglinge und Anverwandte vom Konzert in der Jungen Oper nicht zu erschöpft sein, geht es gleich weiter zum Vortrag von Professor Walter Greiner im Frankfurt Institute for Advanced Studies über Antimaterie. Das kann keinesfalls schaden, denn auch das Babyhirn darf rechtzeitig etwas über die Frage erfahren, ob es ein Periodensystem der Antimaterie gibt, gar Sonnen aus Antimaterie.

War auch das nicht zu erschöpfend, werden die Kleinsten noch schnell zum Chinesisch-Grundkurs gefahren. Danach aber reicht es. Dann ist Strampeln angesagt, daheim im Bettchen, und Babybreiessen. Das schadet auf gar keinen Fall. Dafür haften Herr Pauly, Herr Hipp und die Firma Alete mit ihren guten Namen.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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