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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Ausgepafft, ausgequalmt, pleite

25.10.2007 ·  Das Bild, das sich knapp einen Monat nach Einführung des Rauchverbotes in Hessen abzeichnet, war vorherzusehen: Die gehobene Gastronomie leidet gar nicht oder kaum darunter. Wen es trifft, das ist die so genannte Einraumgastronomie.

Von Peter Lückemeier
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Vor einer Weile aus nostalgischen Gründen ein paar DVDs erworben – „Das Halstuch“ von Francis Durbridge. Diese Krimiserie war einer der ersten Superknaller des deutschen Fernsehens, ein Straßenfeger, Einschaltquote im Januar 1962 sagenhafte 89 Prozent. Wenn man sich heute diese sechs Folgen anschaut, versteht man als Erstes nicht, was damals die Menschen so toll daran fanden. Als Zweites aber fällt auf, dass in fast jeder Szene fast jeder Akteur zur Zigarette greift, wahlweise zur Pfeife. Es wird gequalmt und gepafft, dass man unwillkürlich das Fenster öffnen möchte und Personen ohne Glimmstengel automatisch zum Kreise der Verdächtigen zählt.

Wenig anders war übrigens um diese Zeit die Szenerie in Werner Höfers Politdiskussion „Internationaler Frühschoppen“, einer Fernsehsendung, die heute wohl die übergenauen Fans der Politischen Korrektheit auf den Plan riefe: Hier wurde nicht nur gepafft, sondern mittags um zwölf schon Wein getrunken. Und während inzwischen die Raucher unter den Politikern bei Veranstaltungen ihre Zigarette erst anzünden, wenn der letzte Fotograf gegangen ist, bat Ludwig Erhard die Lichtbildner, mit der Aufnahme noch zu warten, bis er sich eine Zigarre angezündet hatte: Der Vater des Wirtschaftswunders sah zu recht in der Zigarre ein Symbol behaglicher Prosperität.

Vorhersehbar

Was sollen diese Beispiele? Wünschen wir uns rauchgeschwängerte Räume zurück? Wollen wir eine rauchende Kanzlerin? Nichts davon. Es sei nur daran erinnert, dass es andere Zeiten gab. Tolerantere. In denen kein Landesparlament darauf verfallen wäre, das Rauchen zu verbieten. Gesetzlich!

Das Bild, das sich knapp einen Monat nach Einführung des Rauchverbotes in Hessen abzeichnet, war denn auch vorherzusehen: Die gehobene Gastronomie leidet gar nicht oder kaum darunter. Wen es trifft, das sind die Kneipen, die Ebbelweilokale, die so genannte Einraumgastrononomie. Selbst wenn man unterstellt, dass manche Klage der Wirte ins handelsübliche Übertreibungsritual fällt – Umsatzeinbußen bis zu 50 Prozent sind nicht witzig. Noch nicht einmal Raucherkneipen hat der Gesetzgeber erlaubt. Wir werden einst sagen dürfen: Wir sind dabei gewesen, als der Aberwitz staatlicher Gängelei triumphierte.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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