20.04.2007 · Nach Paris ist schließlich nicht irgendwohin. Als vor rund fünf Jahren die neue ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln eröffnet wurde, da rückten die beiden Städte auch gedanklich näher zusammen.
Von Christian SiedenbiedelNach Paris ist schließlich nicht irgendwohin. Als vor rund fünf Jahren die neue ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln eröffnet wurde, da rückten die beiden Städte auch gedanklich näher zusammen. Es gab auf einmal Pendler, die in der Kölner Altstadt im Schatten der romanischen Kirche Groß Sankt Martin wohnten, tagsüber am Frankfurter Flughafen arbeiteten und abends wieder in Köln beim Kölsch im Biergarten saßen. Der Frankfurter Stadtrat Edwin Schwarz (CDU), zweifellos ein frommer Mann, nahm sich sogar vor, öfters mal am Sonntag zum Gottesdienst im Kölner Dom zu fahren.
Künftig also nach Notre Dame? Oder zum Petit Déjeuner auf den Champs-Elysées? Und am Sonntag Nachmittag kurzerhand in den Louvre, wenn in der Schirn ausnahmsweise mal keine gute Ausstellung zu sehen seien sollte? Als Helmut Kohl und François Mitterrand 1992 vereinbarten, die Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Frankreich in großem Stil zu verbessern, da hatten sie auch ein engeres Zusammenrücken der Menschen in beiden Ländern im Blick.
Echte Alternative zum Flugzeug
Eine Verkürzung der Fahrtzeit zwischen Frankfurt und Paris mit der Bahn von mehr als sechs Stunden auf weniger als vier ist schon eine ganz ordentliche Veränderung. Wenn man bedenkt, wie umständlich es bisweilen ist, am Flughafen einzuchecken und die Sicherheitskontrollen über sich ergehen zu lassen, dürfte damit eine echte Alternative zum Flugzeug entstehen. Außerdem, so sieht es zumindest im Moment aus, ist die Bahn auf der Strecke selbst bei regulären Fahrpreisen etwas billiger.
Vielleicht tut das ja auch Frankfurt gut, gleichsam näher an Frankreich zu rücken. Im Rheinland macht sich die Nähe des genussfreudigen Nachbarvolkes ja sehr positiv bemerkbar, nicht nur in zahlreichen mundartlichen Ausdrücken, sondern auch in einer gewissen Gelassenheit gegenüber vielen Unwägbarkeiten des Lebens. In Frankfurt, dieser arbeitsamen Stadt, so kann man zumindest manchmal den Eindruck haben, könnte eine Spur mehr Savoir-vivre eigentlich auch nicht schaden. Dann gehen in den Hochhäusern die Lichter eben mal etwas eher aus. Dafür gibt es dann Rotwein am Main.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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