Ziemlich verkniffen werden die Genossen das wohl registriert haben. Wenn schließlich Realität werden sollte, was sich im Blick auf die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt Ende Januar abzeichnet, steht die SPD auf aussichtslosem Posten. Sie sollte sich frühzeitig darauf einstellen, daß ihr Kandidat praktisch keine Chance hat. Und darauf, daß sie dann politisch für lange Zeit ins Leere fällt.
Die Äußerungen des Grünen-Fraktionschefs Cunitz im Interview mit dieser Zeitung (F.A.Z. vom Samstag) waren überraschend deutlich. Sie berauben die SPD der Hoffnung, ihr Vorsitzender Frey könne gleichsam auf dem rot-grünen Traditionsticket gegen Amtsinhaberin Roth gewinnen. Die Grünen könnten, analysierte deren Vormann im Römer präzise, kein Interesse daran haben, daß ein Sozialdemokrat die Wahl gewinne. - Das Aus für Frey, die Rückversicherung für Roth.
Konsequente Grüne
Man sollte es sich schon noch einmal in Erinnerung rufen. Einmal um der historischen Wahrheit willen, zudem - damit eng zusammenhängend - wegen der Dimension dessen, was sich da innerhalb kurzer Zeit verändert hat. Ein Fall von Politik - klassisch geradezu und plakativ.
In den vergangenen Jahren sind die Grünen nicht müde geworden, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die CDU-Oberbürgermeisterin Roth hart zu attackieren: daß sie ihrem Amt fachlich wie politisch nicht gewachsen sei, daß es nicht genüge, sich recht ansehnlich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Alles Roth von gestern. Seit sich die Grünen mit der CDU zusammengetan haben, steht die Oberbürgermeisterin an der Spitze der schwarz-grünen Koalition.
Den Spagat hätten die Grünen wirklich kaum begründen können: sich mit der CDU einlassen, dann aber wenig später mehr oder weniger direkt gegen deren Spitzenfrau Front machen. Dem „Klima“ im Bündnis wäre das, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, kaum förderlich gewesen. Folglich ist es politisch nur konsequent, daß die Grünen darauf verzichtet haben, mit einem eigenen Personalvorschlag bei der Direktwahl ins Feld zu ziehen.
Gigantische politische Fehlkalkulation
Die Karte, auf die die SPD, vor allem der Parteivorsitzende und Roth-Herausforderer Frey, bisher gesetzt hat, wird also nicht stechen, wenn die Grünen-Wähler sich aus Koalitionsdisziplin auch nur zu einem Teil auf die Seite der CDU-Kandidatin schlagen. Und dann müßte der Taktiker an der Spitze der SPD vor die Partei treten und eine politisch geradezu vernichtende Strategie einräumen.
Der Verlierer bei der Kommunalwahl im März hatte ein mögliches Bündnis mit der CDU, eine große Koalition, zu Fall gebracht, weil er mit Forderungen überreizte. Das Kalkül, sich nicht an die Union zu binden, um so den Rücken für eine erfolgreiche Oberbürgermeisterwahl frei zu haben, zeichnet sich jetzt schon als eine gigantische politische Fehlkalkulation ab. In Frankfurt stünde die SPD dann vor dem Nichts.