Das Projekt bewegt sich in einer Endlosschleife. Wann immer seine Realisierung bevorzustehen scheint, bläst ein kalter Wind es zurück ins Reich der Schemen. Abermals droht jetzt der Museumsneubau für die in Fachkreisen als einzigartig gehandelte, seit Jahrzehnten jedoch fern der Öffentlichkeit in Depots vor sich hin dümpelnde ethnologische Sammlung Frankfurts zu scheitern. Die finanziellen Verhältnisse der Stadt, sie sind wieder einmal nicht so. Vor allem aber mangelt es dem Vorhaben an Unterstützern. Sowohl in der Politik als auch in der städtischen Gesellschaft. Sie begreift sich offenbar nicht mehr als Erbe jener Bürger, die einst Kult- und Gebrauchsgegenstände fremder Kulturen zusammengetragen und dem Museum gestiftet haben, um es als Ort zu etablieren, an dem andere Lebens- und Denkweisen anschaulich werden.
Dabei ist das Bedürfnis nach dem Original, nach dem Authentischen, nach dem Auratischen heute stärker denn je. Und die Kosten für eine Museumserweiterung sind Investitionen in die Bildung. Im Zeitalter der Globalisierung zählt interkulturelles Wissen gerade auch für Unternehmen zu den Voraussetzungen erfolgreichen Handelns. Daher sollte die Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet ein Interesse an einem Museum haben, in dem es vorrangig um das Verstehen menschlicher Verhaltensweisen geht.
Von Spendenaktionen und Stiftungsaufrufen, wie sie etwa für das Städel gang und gäbe sind, hat man im Zusammenhang mit dem Weltkulturen-Museum noch nichts gehört. Dies mag auch daran liegen, dass es das unbekannteste Frankfurter Museum ist. Seine Schätze ruhen schon so lange im Verborgenen, dass nur vage Vorstellungen von der Reichhaltigkeit der Objekte existieren.
Das Neubau-Projekt ist daher das wichtigste, das Kulturdezernent Felix Semmelroth während seiner Amtszeit in Angriff genommen hat. Noch ist er guten Muts, dass es auch verwirklicht wird. Dass eine starke Lobby dafür fehlt, dürfte ihm allerdings nicht entgangen sein. Die Wiedereröffnung der frisch renovierten Museumsvilla am Schaumainkai könnte nun die Gelegenheiten bieten, etwas mehr Begeisterung für die völkerkundliche Sammlung zu wecken. Sie tut not.