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Kommentar Armutszeugnis für Frankfurt

05.07.2010 ·  Für eine absehbare Zeit wird es keinen Profi-Eishockeysport mehr in Frankfurt geben. Es ist der zweite Rückzug dieser Art seit 1991. Die Kapitulation der Lions ist ein bitterer Tag für Frankfurt - und ein Armutszeugnis für die Sportstadt.

Von Volker Stumpe
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Kann das denn wirklich wahr sein? Nie mehr wieder Eishockey in Frankfurt? Ja, es ist wahr – zumindest für eine absehbare Zeit. Es sei daran erinnert: Bis zu 7000 Zuschauer drängelten sich von Anfang September bis Ende März Wochenende für Wochenende in der Eissporthalle am Ratsweg, um mit den Lions zu feiern oder mit ihnen zu leiden. Nun ist die Party vorbei. Es ist – man muss daran erinnern – schon der zweite Rückzug einer Eishockeymannschaft aus dem Profisport.

Im Jahr 1991 trennte sich die Eintracht von ihrer Eishockeyabteilung, die ihr zur kostspielig wurde. Glücklicherweise fanden sich noch im selben Jahr Retter, die den Frankfurter ESC „Die Löwen“ gründeten. Auf Anhieb begeisterte der Klub massenhaft Fans. Selbst in der vierten Liga kamen bis zu 8000 Zuschauer in die Eissporthalle, man feierte teils zweistellige Siege. Und mit Gründung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im Jahre 1994 waren die Löwen, die sich zwischenzeitlich in Lions umbenannt hatten, wieder oben angekommen: in der höchsten deutschen Spielklasse.

Ein bitterer Tag für Frankfurt

Nun scheint der Rückzug endgültig. Dies ist daher ein bitterer Tag für Frankfurt. Aber auch ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich gerne Sportstadt nennt, offenbar aber nur eine Sportart kennt: nämlich Fußball. Der wird weiterhin fröhlich gefördert. Nicht nur von der Stadt – sondern vor allem von der Wirtschaft. Und die, so scheint es, hat kein Interesse (mehr) am Eishockey. Eindeutig ist die Frage nach dem Schuldigen am Tod einer Sportart freilich nicht zu beantworten. Es gibt viele Schuldige. Da wären in erster Linie natürlich die Löwen-Sünden der Vergangenheit, die lange Zeit verborgen blieben, die den Untergang aber eingeleitet haben. Offenbar, so ist heute zu hören, wurde hier seit vielen Jahren getrickst, nicht seriös gearbeitet.

Und da wäre die Konstruktion der DEL an sich. Eine Liga, in der es keinen sportlichen Auf- und Abstieg gibt, ist in Deutschland nicht vermittelbar. Eishockey ist zu einer Randerscheinung verkommen, auch wenn die DEL gerne von sich behauptet, die Mannschaftssportart Nummer zwei hinter dem Fußball zu sein. Und die Stadt? Es ist beileibe nicht die Aufgabe einer Kommune, Profisport am Leben zu erhalten, zumal die Lions Hallenmiete schuldig geblieben waren.

Kein Mangel an Lippenbekenntnissen

Andererseits hatte es an Lippenbekenntnissen nie gemangelt. „Wer spricht jetzt noch vom Wunder von Bern – dies ist das Wunder von Frankfurt“, hatte Oberbürgermeisterin Petra Roth nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2004 gesagt: „Ich bin davon überzeugt, dass Frankfurt und der Region eine größere Halle gut zu Gesicht stünde, wenn ein starker Leistungsträger vorhanden ist, wie die Lions einer sind.“ Seit 2004 hat sich bekanntlich nichts getan. Daher bleibt festzuhalten: Frankfurt ist keine Eishockeystadt. Dann war das Ende mit Schrecken die beste Lösung.

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Jahrgang 1962, zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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